Schauspiel
Intendanten: Finanzkrise stärkt Theaterszene den Rücken
Sprech- und Musikbühnen sind "Orte des Abarbeitens gesellschaftlicher Fragen". Deshalb steigen in schwierigen Zeiten jetzt die Zuschauerzahlen.
„Das Theater bezieht momentan immer mehr gesellschaftlich Position“, sagt der Intendant des Deutschen Theaters in Berlin, Ulrich Khuon
Foto: picture alliance / dpa/dpa Zentralbild
Frankfurt/Main. Die Theaterszene in Deutschland profitiert nach Ansicht renommierter Theatermacher von der aktuellen Banken- und Finanzkrise. Sowohl das Sprech- als auch das Musiktheater würden als „Orte des Abarbeitens gesellschaftlicher Fragen“ aktuell mehr denn je in das Interesse der Öffentlichkeit rücken. Denn Kulturinstitutionen gäben vor dem Hintergrund einer breiten Verunsicherung verlässliche Antworten auf gesellschaftliche Fragen, befanden übereinstimmend mehrere deutsche Intendanten in Frankfurt im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. Steigende Besucher- und Auslastungszahlen an den meisten deutschen Häusern belegten dies.
„Wir verlieren nicht das Publikum – ganz im Gegenteil“, sagte der Heidelberger Intendant Holger Schultze, der erst am Montag im Deutschen Bühnenverein den Vorsitz des Ausschusses für Künstlerische Fragen übernommen hat. „Das Theater bezieht momentan immer mehr gesellschaftlich Position“, meinte auch sein Vorgänger im Ausschuss, der Intendant des Deutschen Theaters in Berlin, Ulrich Khuon. Dieses sei inzwischen das „Zentrum einer Stadt, wo diskutiert wird“.
Auch der Frankfurter Opernintendant Bernd Loebe sprach von „vollen Theatern als Zeichen einer Krise“. Gerade vor dem Hintergrund einer wirtschaftlichen Verunsicherung suchten die Menschen „eine gewisse Nestwärme“. „Das Publikum stellt Fragen an das Theater – um festzustellen, man ist nicht alleine damit“, sagte er. Das Theater von heute sei wie ein Krankenhaus mit einer sehr großen Ambulanz: „Wir behandeln die Leute ein paar Stunden und entlassen sie dann wieder.“
Der Geschäftsführende Direktor des Deutschen Bühnenvereins, Rolf Bolwin, bezeichnete in dem Zusammenhang die deutsche Theaterlandschaft als einen bedeutenden Standortfaktor für Deutschland. Viele Städte hätten die Bedeutung des Kulturbetriebs als Wirtschaftsfaktor erkannt. Als Beispiele für eine gelungene Positionierung nannte er Berlin und Frankfurt. Große Sorgen bereiteten nach wie vor die Häuser in Bonn, Schwerin, Rostock und Trier. Dort habe man den Wert nicht erkannt und wolle die Theater zu Tode sparen.





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