Kultur

Spannung pur: Die besten Krimis des Monats

Bislang hatte sich der Journalist Luca D'Andrea einen Namen als Dokumentarfilmer gemacht. Jetzt hat der in Bozen lebende Autor mit "Der Tod so kalt" seinen ersten Thriller vorgelegt – ein ungemein bildmächtiger Roman, der im Auge des Lesers filmische Sequenzen zuhauf evoziert. D'Andrea siedelt die Geschichte in seiner Südtiroler Heimat an: Dort blieben 1985 drei junge Wanderer nach einem Unwetter in den Bergen, kurz darauf wurden ihre Leichen gefunden, brutal misshandelt. Niemand fragt wirklich nach den Tätern, die Menschen im Heimatdorf der Toten hüllen sich in Schweigen. 30 Jahre später kommt ein amerikanischer Filmemacher in das Dorf, in dem seine Frau aufgewachsen ist. Eigentlich will er eine Dokumentation drehen, doch das alte Rätsel weckt seine Neugier. Er ahnt nicht, dass er bei dem Versuch, die Wahrheit hinter der Tragödie von damals zu finden, mit seinem Leben spielt. Ein wuchtiger Thriller, dessen Bilder auf der Netzhaut brennen.

Luca D'Andrea: "Der Tod so kalt", dt. von Verena von Koskull, DVA, 480 S., 14,99 Euro

Anfangs will sie Pippi Langstrumpf sein, dann Winnetou, später die Weiten Afrikas durchqueren, schließlich kommt ­alles anders: Sie wird zur Mörderin. Sie, das ist die namenlose Ich-Erzählerin in Marina Heibs furiosem Psychothriller "Drei Meter unter null". Die in Hamburg lebende Autorin erzählt darin in einer klaren, unter die Haut gehenden Sprache eine ­Geschichte der Rache, die auf frühen Demütigungen und auf körperlichem wie seelischem Missbrauch beruht. Bis an einem grauen ­Novembertag die Stunde der Häutung naht: Aus der einstigen Träumerin, die immer Opfer war, wird die Täterin, die alle bürgerlichen Konventionen abstreift. Ihre über Jahre hin sorgsam gepflegte Normalität bricht in Stücke. "Die Wölfin macht sich auf den Weg in die Wildnis der Städte. Sie will ihr Rudel suchen. Sie will Wölfe ­jagen." Und das macht sie dann auch. Überaus konsequent. Eine faszinierende, eine verstörende Geschichte.

Marina Heib: "Drei Meter unter null"
Heyne, 254 Seiten, 19,99 Euro


Es ist ein hehres Motiv, weshalb Luc Verlain, Kommissar bei der Pariser Mordkommission, sich an die französische Atlantikküste versetzen lässt. Dort im Aquitaine, in seiner Heimat, lebt Verlains Vater. Und der ist schwer erkrankt. Doch das Aquitaine nahe Bordeaux ist eine Region, in der Mord ein Fremdwort ist. Bis – natürlich – Luc Verlain den Dienst antritt. Gleich an seinem ersten Tag wird ein Mädchen tot aufgefunden, offenbar ist sie ermordet worden. Verlaines Ermittlungen führen ihn tief ­hinein in die Seele des Aquitaine – und zeigen ihm seine Heimat von einer ihm unbekannten Seite. Mit "Retour" hat Alexander Oetker, der für RTL lange Zeit auch aus Frankreich berichtet hat, sein Debüt im Krimigenre platziert – eine spannende Geschichte, die Land und Leute plastisch vorführt, mit einem Helden, der das Zeug zur Serienfigur hat. Nach Jean-Luc Bannalec, Sophie Bonnet und Cay Rademacher ist Alexander Oetker der nächste deutsche Autor, der Frankreich kriminalistisch aufs Korn nimmt. Dass auch dieser Roman Urlaubssehnsüchte weckt, versteht sich von selbst.

Alexander Oetker: "Retour"
Hoffmann und Campe, 288 Seiten, 16 Euro

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