Kafka? Lieber nicht
Entertainer Harald Schmidt las im Literaturhaus - zu Gunsten von Schülern, zum Gefallen der Gesellschaft.
Hamburg. Nein, das Hamburger Filmfest, das sich vermutlich auch gern mit seiner Anwesenheit auf dem ein oder anderen roten Teppich geschmückt hätte, das sei nichts für ihn, erklärte Harald Schmidt. "Das ist mir zu populistisch. Ich bin für die Hochkultur zuständig." Das werden sie gern gehört haben, die einhundert ausgewählten Gäste, die am Sonnabend im Literaturhaus für jeweils 250 Euro zu Gunsten der Literaturstiftungs-Initiative "Schüler treffen Autoren" speisten, plauschten und lauschten. Stiftungsvorstand Wolfgang Friederichsen hatte zum "Fundraising-Dinner" gebeten, und die solvente Hamburger Gesellschaft kam der Zahlungsaufforderung in geselliger Runde gern nach. Schmidt, der im Festsaal des Literaturhauses unter funkelnden Kronleuchtern und Stuck an der Decke, zwischen Perlenketten und brennenden Kerzen sozusagen beste hochkulturelle Rahmenbedingungen vorfand, musste nichts zahlen, bekam dafür aber auch nichts, und war trotzdem bereit, als Vorleser den Programmteil des Abends zu bestreiten: "Man hat ja nicht immer alle Buchstaben griffbereit, da ist so ein Abend gute Übung." Nachdem der Entertainer eigenen Angaben zufolge viele Jahre seiner Karriere damit zubringen musste, während des Essens zu lesen, erlaubte ihm der "elitäre Rahmen" diesmal, seine Auszüge aus J. D. Salingers Pubertätsroman "Der Fänger im Roggen" ("Ich dachte, ich soll vor Schülern auftreten!") noch vor dem Dinner zu Gehör zu bringen. "Ich lese auch nicht länger als drei Stunden", versprach "Dirty Harry" dafür großzügig, und kündigte verlässlich spitzzüngig an, im Anschluss werde Fritz J. Raddatz "bis etwa nächste Woche" aus seinem Werk "Wie ich Heine entdeckte" vortragen. Souverän und zum großen Vergnügen der Anwesenden (darunter Claus G. Budelmann, Gesellschafter des Berenberg-Bankhauses, Mare-Verleger Nico Hansen und Autor Michael Jürgs) jonglierte sich Schmidt schließlich eine gute Dreiviertelstunde durch die ausgewählten Passagen. Ursprünglich, so war es in den Einladungskarten vermerkt, sollte er Kafka lesen. "Aber wer die ganze Woche Fernsehunterhaltung macht, der braucht nicht auch noch am Wochenende Boulevard." Und außerdem, befand der Moderator schließlich spöttisch, sei "doch immerhin dieser Rahmen kafkaesk".



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