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Kultur & Live

Vorpremiere in den Fliegenden Bauten

Atze Schröder gibt sich in Hamburg völlig "Schmerzfrei"

Der Comedypreis-Gewinner spielt und bedient mit seinem neuen Bühnenprogramm Klischees. Warm-up für den 31. März in der 02 World.

Comedian Atze Schröder zeigt sein Bühnenprogramm "Schmerzfrei" in den Fliegenden Bauten in Hamburg
Foto: picture-alliance / Jazzarchiv/JAZZ ARCHIV HAMBURG

Hamburg. Er weiß nach eigener Aussage, "wo der Frosch die Locken hat". Deshalb ist Atze Schröder hierzulande seit Jahren einer der populärsten Komiker. Der Satz "Ich bin heute hier, weil ich bei Euch sein möchte", reicht schon zur Erheiterung seiner Fans in den ausverkauften Fliegenden Bauten. "Schmerzfrei" heißt das neue Programm des fünfmaligen Deutschen Comedypreisträgers. Und das muss der geneigte Zuschauer nicht nur bei Atzes typischem Äußeren - Extrem-Minipli, Pilotenbrille, enges T-Shirt, Jeans und blaue(!) Cowboy-Stiefel - sein, sondern auch bei der Vorpremiere der neuen Show. Der jüngst für sein Werk "Revolution" mit dem besten TV-Soloprogramm ausgezeichnete Schröder verweist im Hamburger Zelttheater mit Genuss darauf, dass dieser Titel noch vor zwei Jahren in Deutschland kaum mit Leben erfüllt gewesen sei. Und jetzt? "Jetzt haben wir Stuttgart 21, Tunesien und den Arabischen Frühling." Und vielleicht erfüllt sich bald auch Atzes weitere Hoffnung: "Wenn sich das so mit Gaddafi erledigt hat, kriege ich auch meine Zweitbrille zurück." Ein Kopfschuss und die Folgen.

Doch die Bühnenfigur Schröder und sein Darsteller sind nicht immer so knallhart. Vielmehr bedienen sie und das Autoren-Team beim gagigen Gang durch die Welt der Promis, Kindererziehung und Partnersuche mehr oder minder geschickt Klischees oder spielen mit ihnen. Das ist bei Parodien auf den potenten "Kaiser" Franz und den massiven "Calli" Calmund und deren Paarungsverhalten ("Nehme ich die Nord- oder die Südroute?", fragt seine Frau) durchaus witzig, an anderen Stellen voll daneben. Witze auf Kosten von Frauen und Schwulen beim Thema Burn-out, in diesem Fall mit Lehrerinnen und dem Pop-Duo Rosenstolz ("Eine der beiden Frauen hat jetzt auch Burn-out") könnte sich Schröder ebenso sparen wie jene mit Indern und Chinesen. Zündender da schon sein spontaner Stuttgart-Nachdreher bezogen auf eine ihn abtörnende Schwäbin: "Dann war bei mir auch Endstation am Sackbahnhof."

Bei seinem Alltags-Potpourri in Sachen Lebensberatung auf der Jagd nach "Stöckelwild" macht dem Porsche-Fahrer aus Essen-Kray ohnehin niemand was vor, sei es im Swinger-Club oder an der Bar. "Kellner, ein Clausthaler und ein Cognac" - erst mit solch einer Bestellung mache sich ein Mann interessant. Aha! Und mit 46 Jahren hat der Ruhrpott-Proll ("Ich bin dicker geworden") inzwischen auch die Selbstironie entdeckt. Obwohl er sich gern im Spiegel betrachtet, habe er neulich vor einem bei Karstadt gestanden und gegrüßt: "Ich dachte, mir kommt Dieter Thomas Heck entgegen..." Weil Schröder zudem sein Projekt eines von ihm finanzierten Kinderkrankenhauses in Ghana als komische Reise ins Programm einbaute, hatten ihn am Ende alle lieb. Seine bekannte "Ü-30"-Party als Zugabe tat ein Übriges, obschon er wirklich nicht singen kann. Eine gewisse Beliebigkeit ist ihm immanent - und die Popularität. Deshalb lädt Atze Schröder am 31. März 2012 auf seiner großen Tour auch in die Hamburger 02 World. Dann mit richtig vielen Effekten.

 

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