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Kultur & Live

Konzert im Docks

Dick Brave & The Backbeats rocken den Hamburger Kiez

Mit seiner Kunstfigur des kanadischen Rock 'n' Rollers feiert ein verschnupfter Sasha ein gelungenes Revival im Docks auf St. Pauli.

Dick Brave (r.) and the Backbeats: Ob nun Chuck Berrys "Come on", "Use Somebody" von den Kings of Leon oder "Just The Way You Are" von Bruno Mars - für solche Klassiker sowie Rock- und Pop-Hits schufen Brave und seine spielwütige vierköpfige Band im Rockabilly-Sound neue Retro-Cover
Foto: picture-alliance / SCHROEWIG/Jen/SCHROEWIG/Redaktionsbuero

Hamburg. Am Ende hatten sie alle Instrumente einmal durchgetauscht, und jeder von Dick Brave & The Backbeats hatte einmal Jerry Lee Lewis' Klassiker "Great Balls of Fire" angestimmt. Es war ein einfallsreicher Schlussakkord einer ungewöhnlichen Rock-Reise im seit Wochen ausverkauften Hamburger Musikklub Docks. Die "Rock 'n' Roll Therapy" hatte sich schon im Foyer am Merchandising-Stand auf schwarzen T-Sihirts angekündigt. Im mit 1500 Fans, darunter nur wenige typische Rock 'n' Roller, proppevollen Saal gab es von Dick Brave dann eine Dosis in drei Schüben.

Die kanadische Kunstfigur, für die Popsänger Sasha vor fast neun Jahren eigens eine Biografie ersonnen hatte, legte auch auf der mit den leuchtenden Versalien "DICK" dekorierten Bühne gleich eine "Rock Therapy" hin. Er sei nach einem Flugzeugabsturz in den kanadischen Wäldern sieben Jahre von einer verrückten Frau gefangen gehalten worden, hatte ein bereits bei ProSieben gezeigter Film den Konzertbesuchern zu suggerieren versucht... Sogar Sashas Dortmunder (Fußball-)Freunde Sebastian Kehl und Patrick Owomoyela sowie Publizistik-Schöngeist Roger Willemsen hatten Brave im Filmchen für tot gehalten. Doch sein Schöpfer und Verkörperer Sascha Schmitz aus Soest in Westfalen zeigte trotz zeitweiliger Schnief- und Hustenattacken, dass er auch als vermeintlicher Waldschrat weder den Hüftschwung noch den Schmalz in der Stimme verloren hat. Ob nun Chuck Berrys "Come on", "Use Somebody" von den Kings of Leon oder "Just The Way You Are" von Bruno Mars - für solche Klassiker sowie Rock- und Pop-Hits schufen Brave und seine spielwütige vierköpfige Band im Rockabilly-Sound neue Retro-Cover. Gipfelnd in Michael Jacksons "Black Or White" und Depeche Modes "Just Can't Get Enough". Weil das in gut einer Stunde nur einem Kurztrip in die 50er-Jahre geglichen hätte, folgten noch zwei hervorragend inszenierte Zugabenteile: Mit "Always On My Mind" machte Dick Brave alias Sasha posthum Elvis Konkurrenz, dann die Bands Aerosmith und Run-D.M.C. mit seiner extrem schnellen Version von "Walk This Way" fast vergessen. Im zweiten Extrateil wurden schließlich die Prince-Nummern "Cream" und "Kiss" zu Rockabilly-Reißern.

Wer will Sasha eigentlich noch als Popsänger sehen und hören? Und hat er nicht längst viel mehr Spaß und Gewinn an seiner ursprünglichen Musiker-Nebentätigkeit? Nachdem der 39-Jährige als Dick Brave schon im Frühsommer bei seiner kurzen Comeback-Tour das Hamburger Gruenspan gefüllt hatte, läuft die Hertbsttour bis zum 16. November in seiner Heimatstadt Dortmund ebenfalls in ausverkauften mittelgroßen Sälen.

Fortsetzung folgt. Wenn Dick Brave am 31. Mai 2012 zum Open Air auf die Hamburger Stadtparkbühne einschwebt, können sich bis zu dreimal so viele Fans wie im Docks davon überzeugen, dass der Rock 'n' Roll (auf-)lebt.

 

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