Molotow
Adolar: Gegen Diktatur in Großraumdiscos
Adolar, demnächst auf T-Shirts und heute ab 21 Uhr im Molotow.
Die Jungs von Adolar wuchsen in der Altmark auf
Foto: Gregor Wiebe
Eines vorweg: "Zu den Takten des Programms" läuft bei Adolar wenig, auch wenn der Titel des kürzlich erschienenen zweiten Albums genau das suggeriert. Das vor knapp vier Jahren gegründete Quartett aus Sachsen-Anhalt bürstet mit seiner Musik viel lieber ungefällig gegen den Strich. Musikalisch funktioniert die Verweigerung mit einem ganz und gar ungewöhnlichen, brachial poppigen Post-Hardcore. Schon die erste Single "Mario Kart vs. Kettcar" und das Debütalbum "Schwörende Seen, Ihr Schicksalsjahre!" von 2009 traf die deutschsprachige Musikszene nicht unerheblich: Einen so abwechslungsreichen Sound vermisste man hierzulande.
Das Stück "Kitt" zum Beispiel wechselt vom emotionalen Erzählen zu unendlichen Stadionrocksounds und zackigen Breaks in bester Mathcore-Manier. Durch eine glasklare Produktion und verträglich gestimmte Gitarren erkennt man dennoch, dass die nach der ungarischen Fernsehserie "Adolars phantastische Abenteuer" benannte Gruppe Lust auf Pop hat. Recht treffend stellt das Musikmagazin "Visions" in diesem Sinne fest: "Adolar wird demnächst auf dem T-Shirt des Mädchens stehen, das du ansprechen willst".
Doch eigentlich macht Adolar in den bissig-ironischen und lebensnahen Texten des Sängers Tom Mischok eines recht deutlich: Diese szenigen Indie-Partys, auf denen die Gäste beim Tanzen zum coolen neuen Kram des Untergrunds ihre Band-Shirts präsentieren, sind ihre Sache nicht.
"Tanzenkotzen", der gelungene Auftakt des neuen Albums, beschreibt die plattitüdenhaften Gespräche halbwegs intellektueller Party-Hipster ("Ich habe Virginia Wolf gelesen, du hast Virginia Wolf gelesen") zwischen euphorischer Begeisterung und innerlicher Abwehr. Deutlich auch der parolenhafte Refrain in "Ungelenk und einstudiert": "DJs dieser Welt, ich will euch leiden sehen", singt Mischok kämpferisch und von der "Diktatur in Großraumdiscos". Wäre Adolar an der Macht, bewegte man sich wohl zu den Traktaten des Alternativprogramms - doch auch das bleibt unberechenbar.
Adolar Do 10.11., 21.00, Molotow (U St. Pauli), Spielbudenplatz 5, Eintritt 10,-; www.adolarband.de





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