Konzert in der Laeiszhalle
Zum Wunder fehlt Ingolf Wunder noch etwas
Bei Ingolf Wunders Auftritt in der Laeiszhalle ließ der junge Pianist aus Österreich noch ungezügelte Leidenschaft und emotionale Hitze vermissen.
Pianist Ingolf Wunder
Foto: dpa/DPA
Hamburg. Beim Warschauer Chopin-Wettbewerb im Jahr 2010 war Ingolf Wunder der Meister der Herzen. Er landete zwar "nur" auf dem zweiten Platz, wurde aber vom Publikum viel heftiger bejubelt als die Siegerin. Seither gilt er als der neue Stern am Pianistenhimmel. Seine Antrittstour durch die wichtigen Konzerthäuser führte ihn nun auch in den Kleinen Saal der Laeiszhalle, wo er sein außergewöhnliches Talent aufblitzen ließ.
Der 26-jährige Österreicher hat ein feines Händchen - beziehungsweise zwei davon - für Chopins verträumte Eleganz: Mit flinken Fingern kitzelte er die Ornamente in der Grande Polonaise so beiläufig aus den Tasten, als wäre es ein Kinderspiel. Tempolimit? Gibt's für ihn bei diesem Repertoire nicht. Und doch rast er nicht einfach drauflos, sondern nimmt sich immer wieder Zeit, um den wehmütigen Klängen nachzulauschen.
Hinreißend, wie er die Melodien der f-moll-Ballade oder des Andante spianato in verschiedene Farben tauchte, hier mal kurz einen Silberglanz auftrug oder dort ein bisschen abdunkelte - und die Phrasen wie Fragezeichen in der Luft hängen ließ.
Mitunter birgt dieser Mut, inne zu halten, aber auch eine Gefahr: dass die Musik ihren Fluss verliert und in schöne Einzelteile zerfällt. Da scheint Wunder jenes lodernde Temperament zu fehlen (oder zu unterdrücken?), das die Interpretationen mancher Kollegen so unerbittlich und packend vorantreibt: die Kehrseite seiner gelassenen Souveränität.
Auch vor der Pause war der Pianist jederzeit Herr der Lage. Sein Mozart klang - trotz einiger Härten - klar und transparent; bei der sechsten Ungarischen Rhapsodie von Liszt gestattete er sich selbst in wildesten Passagen kaum mehr als ein leichtes Kopfwackeln. Das ist alles sehr beeindruckend und abgeklärt, keine Frage. Aber von einem Meister der Herzen hätte man sich vielleicht doch etwas mehr ungezügelte Leidenschaft und emotionale Hitze gewünscht.





Branchenbuch Hamburg
Trabrennbahn Hamburg


100. Geburtstag
Axel Springer
Abendblatt auf Facebook

Das Rätsel des Tages



