Hamburg

Der Schiffs-Abenteurer Dietmar Loeffler

Auch im Nikolaifleet mit Spaß bei der Arbeit: Regisseur und Autor Dietmar Loeffler, 54, auf dem Schiff­Ponton

Foto: Roland Magunia / Hamburger Abendblatt

Auch im Nikolaifleet mit Spaß bei der Arbeit: Regisseur und Autor Dietmar Loeffler, 54, auf dem Schiff­Ponton

Theatermusikmacher Dietmar Loeffler bringt mit "Die Große Freiheit" sein erstes Stück auf dem Hamburger Theaterschiff heraus.

Hamburg.  Nicht nur ein Schauspieler, auch ein Regisseur sollte wandlungsfähig sein. Dietmar Loeffler sitzt mit verschränkten Armen auf einem Stuhl, leicht nach vorn gebeugt. Er schaut genau hin. "Ihr stellt euch in eine Reihe!", sagt er zu seinen drei Protagonisten. Sie singen. "Ganz, ganz leise!", mahnt Loeffler, jetzt etwas aufrechter und Kaugummi kauend. Die drei interpretieren "Fragile" von Sting. Einmal auf Englisch, einmal auf Arabisch, nach dem Muster "Strophe, Strophe, Refrain". Plötzlich geht die einzige Frau unter den drei Darstellern von der Bühne ab. "Wie ist denn das Zeichen für ,Frau über Bord'?", scherzt er.

Erst seit Kurzem arbeitet Dietmar Loeffler auf dem Theaterschiff, und laut braucht er unter Deck nicht zu werden. Die Distanz zur Bühne, ein Brettl im auf drei Seiten für 120 Gäste bestuhlten Raum, beträgt nach vorn nur zwei Meter. "Jetzt haben Sie ausgerechnet den traurigsten Moment des Abends miterlebt", sagt Loeffler kurz darauf an Deck – und lächelt bei einer Flasche Apfelschorle. Probenschluss. Loeffler hält mit seiner Crew Kurs auf "Die Große Freiheit". So lautet der Titel des Stücks, das an diesem Sonnabend Premiere hat. Buch, musikalische Leitung und Regie: Dietmar Loeffler.

Nicht die Aufgabenfülle – der Ort überrascht: Der gebürtige Schwabe gilt als einer der renommiertesten Theatermusikmacher im deutschsprachigen Raum. In Hamburg hat er am Schauspielhaus und Thalia als musikalischer Leiter gewirkt. Sein Liederabend "Männerbeschaffungsmaßnahmen" und sein Italo-Musical "Pasta e Basta", 2008 und 2009 in den Kammerspielen, sind bis heute bundesweite Tourerfolge; sein Insel-Musical "Sylt – Ein Irrtum Gottes?" war vor vier Jahren dort ebenfalls ein Sommer-Hit.

"Auf großen Bühnen kann man sich sehr schnell einsam fühlen", sieht ­Loeffler den Schiffs-Ausflug keineswegs als Abstieg. "Ich habe das Glück, dass ich frei entscheiden kann." Michael Frowin, künstlerischer Leiter an Bord, hatte ihn im Vorjahr angeheuert. Kurios: Das als zweites geplante Programm hat Loeffler mit Frowin bereits im April herausgebracht: "Französisch – immer wieder ein Hochgenuss", eine ironische deutsche Interpretation von Chansons, bildete den Auftakt der Reihe "Europa – unsere Nachbarn".

Mit "Die Große Freiheit" geht der Autor Loeffler nun noch weiter – er ist seiner Zeit quasi ein Stück weit voraus. "Ein Sehnsuchtsabend" soll es werden. Angela Merkel ist darin Kanzlerin auf Lebenszeit, aber gewaltige Gewitter haben auch die deutsche Gesellschaft ergriffen. Johnny und Rolf, zwei routinierte Entertainer auf dem Kreuzfahrtschiff MS "Ozean", konnten sich dem Sturm entziehen – bis der neue Direktor die beiden feuern will. "Zu wenig Orient, zu wenig Bauchtanz", heißt es.

Auf der Fahrt von Athen nach Lissabon ist beim Zwischenstopp auf Sizilien eigentlich Endstation für die Entertainer. Dann taucht eine Frau auf – Aisha, eine aus Syrien Geflüchtete, welche die geschassten Bordunterhalter flugs in ihr Programm integrieren. Aus dem Duo wird ein gemischtes Trio.

Die Syrerin spielt das langjährige Schauspielhaus-Ensemblemitglied Sandra Maria Schöner. Mit Tommaso Cacciapuoti hat Loeffler bereits in den Kammerspielen kreativ gewirkt. Als Einziger gehört Schauspieler und Sänger Felix Oliver Schepp zur Stammbesatzung. Der smarte Schiffs-Benjamin spielt auch Klavier und Akkordeon.

Deshalb ist Loeffler diesmal nicht zusätzlich als Pianist und Darsteller gefordert. Dass der Regisseur auch als Dirigent und Schauspieler taugt, hat der 54-Jährige kürzlich wieder als Leiter des DamenLikörChores im St. Pauli Theater gezeigt – mitsamt elegantem Hüftschwung. Auf die Handlung von "Die Große Freiheit" kam Autor Loeffler, nachdem er selbst einige Kreuzfahrten mitgemacht hatte. Und seine Frau Susanne, ehrenamtliche Flüchtlings-Koordinatorin bei den Maltesern, habe ihn ebenfalls inspiriert, erzählt der Vater dreier Kinder.

Gut drei Monate hat er am Buch geschrieben, mehr als 25 Songs für "Die Große Freiheit" neu arrangiert: von "La Paloma" über "Don't Let Me Be Misunder­stood" bis zu "Aïcha" von Khaled. Dazu kommt die neu komponierte Schiffs-Hymne, der Titelsong.

Und doch scheint Dietmar Loeffler bei der Suche nach seiner Vision, seinem Traum, längst nicht im Zielhafen. Texte schreiben mit eigenen Arrangements und Kompositionen will er, der studierte klassische Pianist – für maximal vier bis fünf Leute. Pocket Musical, nennt er das. "Der wahre Loeffler", hat sein Freund Peter Marxen, langjähriger Betreiber der legendären Musikkneipe Onkel Pö, dazu auch gesagt. Ahoi!

"Die Große Freiheit" Premiere Sa 28.5., 19.30 + So 29.5., 18.00, auch 17./18.6. + 24./25.6., 25.-27.8., Das Schiff (U Rödingsmarkt), Holzbrücke 2, Karten zu 25,- bis 29,-: T. 69 65 95 60; www.theaterschiff.de

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