Nur noch am Theater
Jürgen Roland: Der Filmemacher erhält den Krimi-Preis, der nach ihm benannt ist.
ABENDBLATT: Sie haben schon viele Preise und Auszeichnungen bekommen, darunter den Deutschen Filmpreis, das Bundesverdienstkreuz und die Goldmedaille der Polizeigewerkschaft. Am 19. September wird Ihnen im Eifelort Daun als erstem Preisträger der Roland verliehen - ein Krimipreis, der alle zwei Jahre vergeben werden soll. Was bedeutet es Ihnen, einen Preis zu bekommen, der Ihren Namen trägt? JÜRGEN ROLAND: Eins bin ich nie gewesen: Stolz auf das, was ich im Leben geleistet habe. Stolz ist ein schreckliches Wort. Aber ich halte diesen Preis für eine gute Idee. Der Name, so finde ich jedenfalls, ist witzig. Ich bin mir der Ehre bewusst und weiß das zu schätzen. ABENDBLATT: Als Krimipreis für innovatives Filmschaffen bezieht sich die Auszeichnung unter anderem auf Ihre Reihe "Stahlnetz", die ja 1958 etwas ganz Neues im Fernsehen war. Sind Sie es nicht manchmal leid, immer wieder auf diese Sendereihe zurückgeführt zu werden? ROLAND: Ich kann nicht sagen, dass ich es leid bin, inklusive dieser tollen Melodie bah-babap- bap. Ich habe das damals mit Wolfgang Menge zusammen entwickelt, weil wir beide etwas machen, das uns nie langweilen würde. Und das Publikum auch nicht. Das ist genau aufgegangen. Stahlnetz ist mir so gegenwärtig, ich könnte morgen eins drehen. ABENDBLATT: 1999 gab es eine Neuauflage vom NDR, die nach sechs Folgen wieder eingestellt wurde. Ihre Tochter Jessica Schellack schrieb, beraten von Wolfgang Menge, zwei Drehbücher dafür. Haben Sie dies nicht ganz geglückte Revival begrüßt? ROLAND: Ich kann es dem NDR nicht verübeln, dass er versucht hat, so eine Legende wieder zu beleben. Und meine Tochter hat sich da sehr stark engagiert. Sie ist gescheit, hat Temperament und hat das sehr gut gemacht, wie ich finde. Ihre Bücher waren ausgezeichnet. Das sage ich nicht als Vater, sondern als Filmmann. Immerhin hatte sie neun Millionen Zuschauer bei beiden Folgen. Aber ich vergieße keine bitteren Tränen darüber, dass die Reihe wieder eingestellt wurde. ABENDBLATT: Sehen Sie sich selbst als Legende? ROLAND: Na ja, Legende . . . Das Leben als Legende stört mich nicht. Ich habe genug für die Unsterblichkeit getan. So als lebendes Denkmal rumzulaufen ist auch ganz angenehm. Ich bin ein Mensch, der sehr glücklich ist mit seinem Leben. Das mit dem Erreichen von Zielen ist ja auch immer eine Frage von dem, was man sich vornimmt. Ich habe die Messlatte immer so gelegt, dass ich wusste: Das schaffst du. ABENDBLATT: Vor kurzem feierte "Großstadtrevier", Ihre Erfindung, seine 200. Sendung. Sind Sie daran noch aktiv beteiligt? ROLAND: Hochgestochen gesagt, habe ich eine Beraterfunktion. Aber die brauchen meinen Rat gar nicht. Das ist eine so wunderbar funktionierende Produktion, wie ich sie noch nie erlebt habe. Wenn mal mein Rat gefragt wäre, dann würde ich auch da sein. Es macht mir Spaß, und mehr will ich nicht mehr machen. ABENDBLATT: Auch keine Regie? ROLAND: Wir haben ja auch beim Fernsehen Blutzoll zahlen müssen in Richtung sparen. Das bedeutet ganz knappe Drehzeiten. Damit fällt für mich einer der großen Anreize weg, Filme zu machen. Aber ich bin im Gespräch mit Axel Schneider vom Altonaer Theater. Dort werde ich vielleicht in der nächsten Saison das Stück "Polizeirevier 21" inszenieren. ABENDBLATT: Eine alte Knieverletzung macht Ihnen zu schaffen . . . ROLAND: Ja, das ist auch ein Grund, weshalb ich keine Filme mehr drehe. Beim Film muss ich laufen, vom Regiesessel zur Kamera, von der Kamera zum Set. Das traue ich mir physisch nicht mehr zu. Es ist eine alte Geschichte, beim Sport, in der Politik oder Kunst. Man soll abtreten, wenn man noch voll im Saft steht. Wenn mir einer einen Stuhl hinterher tragen muss, dann ist es aus . . . Beim Theater geht es noch, da sitzt man ohnehin. Und ich mache wahnsinnig gern Theater. ABENDBLATT: Sie haben immer Dampf gegeben, aber auch immer unter Dampf gestanden. Wie leben Sie als halber Pensionär? ROLAND: Ich habe vier kleine Enkelkinder, zwei in Bremen, zwei in Hamburg, die bei meiner Frau und mir immer willkommen sind. Außerdem bin ich Anhänger des FC St. Pauli, leidenschaftlicher Zeitungsleser und sehe gerne fern, vor allem Krimis und Dokumentationen. Und dann sind da noch Vorträge, Interviews und so weiter . . . So vergehen die Tage wie im Fluge. Ich habe mich noch keine Minute gelangweilt. ABENDBLATT: Was machen Sie nach der Preisverleihung? ROLAND: Meine Frau und ich nehmen ein Flugzeug nach Ibiza. Da haben wir seit vielen Jahren ein Haus. Und mehr brauche ich nicht. Interview: BRIGITTE EHRICH



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