Alice Schwarzer
Von Klischees geschlagen und doch ganz anders
In Hamburg stellte Alice Schwarzer ihr Buch "Lebenslauf" vor. Die vermeintliche Vorzeige-Emanze wusste im Magazin-Kino bestens zu unterhalten.
Alice Schwarzer hat ihre Autobiografie «Lebenslauf» vorgelegt: Über ihr Aufwachsen bei den Großeltern, turbulente Jahre in der Frauenbewegung in Frankreich und Deutschland bis zur Gründung der feministischen Zeitschrift «Emma»
Foto: dpa/DPA
Hamburg. Lustig war dieser Abend, bei dem Alice Schwarzer im Hamburger Magazin-Kino ihre Autobiografie "Lebenslauf" (Kiepenheuer & Witsch, 462 S., 22,99 Euro) vorstellte. Klar, Klischees sind blöde, aber sie hat in den letzten 40 Jahren mehr damit leben müssen als jeder andere. Drum sei's gesagt: Alice Schwarzer, aufgewachsen in Wuppertal, ist eine rheinische Frohnatur. Nicht unterzukriegen, unternehmungslustig und mit einer gesunden Neugier auf andere Menschen ausgestattet. Ein Abend mit ihr kann gar nicht langweilig werden.
Der Saal war gut besucht, auch von sehr jungem Publikum, das herzlich lachte und staunte, als Alice Schwarzer, 69, die Geschichte der Bundesrepublik passieren ließ. Als solche nämlich ist ihr launig erzähltes Buch, in dem sie aus ihren Kindheitstagen bis zum Jahr 1975 erzählt, wie sie geprägt wurde, auch zu lesen. 1952, so erzählt Schwarzer, war für sie das Jahr von Elvis und vom ersten Kuss. "Sie wollen doch schließlich was hören", erinnert sie ihr Publikum. Angefangen zu arbeiten hat sie im Büro eines Autoteile-Zulieferers. "Deshalb war ich auch nie die Mutter der Frauenbewegung. Das waren ja alles Studentinnen." Die Zeit in Paris, das Interview mit Jean-Paul Sartre, "bei dem ich einen viel zu kurzen Rock trug", die "Wir haben abgetrieben"-Aktion, die sie initiierte, der "Kleine Unterschied", die Anti-Porno-Kampagne gegen den "Stern" - alles kommt zur Sprache und wird amüsant kommentiert.
Insbesondere die kurzen Röcke scheinen in ihren jungen Jahren ihr Markenzeichen gewesen zu sein: "Meine Großmutter hat sie mir so eng und kurz geschneidert, dass ich nicht in die Straßenbahn einsteigen konnte, sondern mich an der Stange ins Innere hochziehen musste." Das Publikum lacht gerne. Auch über die Dreistheit der damals sehr selbstgewissen Machos, die in ihrer Prallheit heute nicht mehr denkbar wäre. Ja, Alice Schwarzer hat den Geist der Bundesrepublik nachhaltig geprägt, indem sie, nie nachlassend, um gleiche Rechte für Frauen und Männer kämpfte. Mit unsäglicher Häme hat man sie dafür übergossen.
Kürzlich hat "Die Zeit" Alice Schwarzer zu den "großen Geistern" gezählt, die "mit ihren Ideen unser Leben verändert haben". Der Feminismus war nicht ihre Idee, aber sie hat ihn als Lebensaufgabe begriffen. Und das ist auch gut so.





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