Konzert in der Fabrik
Eric Burdon füllt die Fabrik und lässt sich feiern
Der Sänger lieferte während seines Auftritts gleich mehrere Höhepunkte ab. Vor der ausverkauften Fabrik sah man traurige Gesichter.
Soulsänger Eric Burdon (Archivbild)
Foto: Fabrik
Hamburg. Mitten im Konzert nimmt Eric Burdon einen tiefen Schluck aus einer Wasserflasche und hält sie dem Publikum in der Fabrik hin. So, als wollte er sagen: „Seht her! Das ist das Elexier, das meinen Motor am Laufen hält und dafür sorgt, dass ich immer noch da bin.“ Burdon, mittlerweile 70 Jahre alt, hatte lange Phasen in seiner Karriere, die von Alkohol- und Drogenmissbrauch gezeichnet waren, in denen niemand mehr einen Cent auf den Sänger aus Newcastle gegeben hätte. Doch seit einigen Jahren hat er den Dämon Alkohol vertrieben und wirkt auf der Bühne, als wäre er in einen Jungbrunnen gefallen.
Die Fabrik ist mit 1250 Zuhörern ausverkauft, vor der Tür gibt es eine ganze Reihe von traurigen Gesichtern, als sie das „Ausverkauft“-Schild sehen. Burdon erfreut sich dieser anhaltenden Popularität nicht nur wegen seines Jahrzehnte zurückreichenden Ruhms, sondern auch, weil er in den vergangenen Jahren immer äußerst gute Konzerte abgeliefert hat. Dieser Abend beginnt mit „When I Was Young“, einer Hitsingle aus dem Jahr 1967. Die versierte Band und der weißhaarige Sänger haben noch etwas Probleme, zueinander zu finden, doch bei „Don’t Bring Me Down“, dem nächsten Song, klappt das Verständnis perfekt.
Das Repertoire dieses Abends enthält Hits der Animals, Burdons früherer Band, wie „It’s My Life“ und „Don’t Let Me Be Misunderstood“, Songs aus seiner US-Phase wie „San Franciscan Nights“, aber auch eine Reihe von Blues-Standards und Coverversionen. „River Deep, Mountain High“ von Ike Turner wird zu einem ersten Höhepunkt des 100minütigen Auftritts, unter die Haut gehen auch „I Believe To My Soul“ von Ray Charles und Bo Diddleys „Before You Accuse Me“, eine Nummer, die Eric Clapton populär gemacht hat. Burdon begnügt sich nicht damit, diese Songs einfach zu singen, er spielt mit ihnen, er improvisiert. Im Zugabenteil verbindet er Timmy Thomas’ Anti-Rassismus-Song „Why Can’t We Live Together“ mit dem Animals-Hit „We Gotta Get Out Of This Place“. Hier macht Burdon noch einmal deutlich, wie sehr dem englischen Arbeitersohn die Musik der Afroamerikaner am Herzen liegt. Er hat den Blues aufgesogen, er hat ihn selber in vielen persönlichen Abstürzen durchlitten, und an diesem Abend singt er von diesen Erfahrungen.
Das Konzert endet mit „The House Of The Rising Sun“, dem größten Hit, den Burdon mit den Animals hatte. Das Publikum feiert ihn dafür. Wieder einmal hat der Veteran bewiesen, dass er zu den größten weißen Soulsängern der Rockhistorie zählt. Und das nun schon seit mehr als 45 Jahren.





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