"Bad Boys of Dance"
Steppende Teufeljungs im St.-Pauli-Theater
Rasta Thomas und die "Bad Boys of Dance" zeigen in "Tap Stars" im St.-Pauli-Theater alle Spielarten der afroamerikanischen Tanzkunst.
Das St.-Pauli-Theater erlebte von 1884 bis 1918 eine Blütezeit
Foto: picture alliance/Arco Images GmbH
Hamburg. Sie halten was sie versprechen. Die wild steppenden Teufeljungs bearbeiten mit den eisenbeschlagenen Schuhen den Boden, dass es nur so knattert und knallt. Das Versprechen des Show-Titels „Tap Stars“ lösen sie mit ihren virtuosen Tanzkünsten vollends ein. Jeder von ihnen ist ein ausgeprägter Charakter und kann seine speziellen Trümpfe in Solonummern ausspielen. Aber am schönsten ist es, wenn sie in der Gruppe tanzen, zwischen eigenen Schrittkombinationen und synchronen Figuren, zwischen rhythmischem Einklang und perkussiver Impro rasch und spielerisch wechseln, so dass der Zuschauer mit seinen Augen kaum mitkommt.
Im ersten Teil des Abends gibt der Choreograf und Regisseur Rasta Thomas einen historischen und stilistischen Abriss des Tap am Beispiel der „Old Masters“. Zu Charleston und Jazz wird gesteppt und auch mal kurz dem Showtanz aus den Hollywood-Musical-Filmen mit Gene Kellys „Singing‘ in the Rain“ gehuldigt. Die Tänzer tackern mit ihren Absätzen komplizierte Schrittfolgen in den Boden, oft so schell, dass man befürchtet, sie könnten stolpern oder ihre Beine verknoten. Fällt einer mal hin, ist‘s Absicht. Beim wunderbar langsam getanzten, raffiniert und subtil synkopierten Song „Feeling Uneasy“ von Etta James geht Anthony Russo zu Boden. Genau wie Joseph Monroe Webb bei seinem Abgang zu „Mr. Bojangels“ in der hinreißenden Hommage an die Tap-Ikone Bill Robinson.
Nach der Pause legt das Sextett dann modern gemixte Stepp-Varianten zu Rap, Rock ‘n‘ Roll und Pop-Hits auf die Bretter, dass das Publikum nur so jubelt und Club-Stimmung aufkommt. Der kleine flinke Cartier Williams sorgt für Comic-Nummern, der dunkle Lockenkopf Michael Keefe für Sex Appeal. In den zwei furiosen Tap-Battles geraten auch der energetisch virile Jason Janas, der sportiv wendige Christopher Erk und der skurille Jumaane Taylor in immer neuen Anläufen gegeneinander, dass man über ihre Ausdauer und Power nur staunen kann. Sie schlagen mit dem flachen Fuß den Boden, tanzen auf den Ballen, den Fersen und sogar auf der Spitze des Fußes. Auch die Außen- oder Innenkanten benützen sie, um beidbeinig abzuspringen oder in Drehungen pfeilschnell hochzuwirbeln.





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