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Kultur & Live

Faul und fett, doch trotzdem sympathisch

In Spanien war Pablo Tussets Debütroman über einen herrlich verschlampten Helden wochenlang die Nummer eins.

Verschlampt, versoffen, verfettet und verfressen, jedoch keineswegs verblödet: Pablo Miralles ist einer der schrägsten Romanhelden, den die literarische Welt in den letzten Jahren kennen gelernt hat. Ihm, dem über 30-jährigen Spross einer zu großem Vermögen gekommenen Aufsteigerfamilie in Barcelona, folgt der Leser auf Schritt und Tritt, lauscht dabei seinen alltagsphilosophischen Betrachtungen, begleitet ihn durch Cafes, Restaurants, Kneipen, in Stundenhotels und in andere aufregende Etablissements, träumt mit ihm seine verworrenen Träume und landet schließlich in einer ziemlich bedrohlichen Situation. Sein Schöpfer ist der 1965 geborene Spanier Pablo Tusset, der mit diesem Roman auf Anhieb die spanische Bestsellerliste eroberte und den Premio Tigre Juan für das beste literarische Debüt erhielt. Kein Wunder. Allein der Titel des Romans ist auszeichnungswürdig: "Das Beste was einem Croissant passieren kann". Und so beginnt auch der Roman, die Auflösung lässt nicht lange auf sich warten: " . . . ist dick mit Butter bestrichen zu werden". Doch dem Supermarktcroissant, das Pablo Miralles in der Eingangsszene in Händen hält, ist solches Glück nicht beschieden: Es wird mit "Pflanzenmargarine aus dem Sonderangebot" beschmiert. Eigentlich ist in dieser winzigkleinen Szene die Figur des Pablo Miralles fokussiert: Oft geht ihm etwas schief, meistens fehlt ihm etwas, auch das Geld aus der väterlichen Firma, deren stiller Teilhaber Pablo ist, ist blitzschnell ausgegeben und deshalb immer zu wenig. Unglücklich ist er darüber nicht. Andere Bestandteile des Lebens, wie etwa Beruf und Familie, eine aufgeräumte Wohnung und saubere Kleidung, sind dem Kinderfeind ein Graus. Denn Pablo Miralles, dieses groß und dick gewordene Enfant terrible, begnügt sich mit Alkohol und anderen Drogen, mit Prostituierten und mit Freundschaften, die er dank Internet auf Distanz halten kann. Pablo, ein Bär von einem Mann und deshalb auch Balu genannt, ist dennoch ein Hedonist und existenziellen Genüssen des Lebens überaus zugetan. Er verschläft die Hälfte des Tages, um die Nächte in Kneipen verbringen zu können, und zwischendurch chattet er in einem philosophischen Internet-Forum. Doch plötzlich kommt in dieses auf seine Art beschauliche Leben Bewegung. Pablos erfolgreicher Bruder, genannt The First, erteilt ihm einen Auftrag, lockt ihn mit der Aussicht auf Geld in die väterliche Immobilienfirma. Daraus entwickelt sich mit Rasanz eine aufregende, groteske Detektivgeschichte, in deren Verlauf der gutmütige Pablo - nun mit unerschöpflicher Kreditkarte ausgestattet - in ungeahnte Gefahren gerät und er sich mehr als einmal überlegt, wie wohl Dashiell Hammetts Sam Spade jetzt reagieren würde. Der Autor, der unter anderem auch schon als Maurergehilfe und Möbelpacker, als Tankwart und Blumenverkäufer gearbeitet hat, spielt in seinem ersten Roman nicht nur auf der Klaviatur des Krimi-Genres, die Geschichte des komischen Klugschwätzers Pablo Miralles ist ebenso auch ein Schelmen- wie ein Großstadtroman. Und ganz nebenbei eine scharfzüngige Satire auf die feine Gesellschaft Barcelonas. Dieser Roman ist rotzig, frech, verquer, abgeflogen, skurril, intelligent - ein großartiges Lesevergnügen. Titel: Das Beste was einem Croissant passieren kann Autor: Pablo Tusset, d. v. S. Mende Verlag: Frankf. Verlagsanstalt Preis: 384 Seiten, 19,90 Euro

 

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