Zurück im Rampenlicht
Da stand sie nun am Bühnenrand und wusste auch nicht so recht, wie sie reagieren sollte. Tosender Beifall, Standing Ovations, im Publikum wurde ein Union Jack entrollt, einige warfen Blumen auf die Bühne. All das schien Annie Lennox beim Auftakt ihrer Europatournee am Montag in der ausverkauften Musikhalle kurz zu überwältigen und sprachlos zu machen. Dann entschuldigte sie sich dafür, dass sie immer noch kein Deutsch sprechen könne. Aber das störte an diesem Abend genauso wenig, wie der Ausfall von Amy Winehouse, die eigentlich im Vorprogramm hätte auftreten sollen. "Gänsehaut" gestand die 48 Jahre alte Annie und deutete auf ihre bloßen Arme. Wie passend. Denn ihr erstes Soloalbum nach acht Jahren, das im kommenden Monat in die Läden kommt, heißt "Bare" - bloß. Daraus waren die ersten Stücke, und die ehemalige Eurythmics-Sängerin freute sich sichtlich, dass das Publikum nicht nur alte Hits hören wollte. Auch neue Songs, wie das einfühlsame "1000 Beautiful Things", wurden gut aufgenommen. Der Funke sprang schon bald bei "No More ,I Love You's'" und "Walking On Broken Glass" über, und Lennox legte erst einmal Brille, Häkelmütze und Lederjacke ab als Zeichen des Angekommenseins. Noch in den 80er-Jahren hatte sie sich bei einem Eurythmics-Konzert in der Sporthalle weiter entblättert, bis sie im roten BH auf der Bühne stand. Das war am Montag nicht nötig. Von da an schaukelten sich Musiker und Publikum gegenseitig hoch. Mit ihren Background-Sängerinnen tat sich Lennox für ein souliges "Sisters Are Doing It For Themselves" zusammen. Sie spielte eine schöne Solo-Piano-Version von "Here Comes The Rain Again" und coverte Neil Youngs "Don't Let It Bring You Down". Im Zugabenblock drehte die hervorragend aufgelegte junge Band noch einmal richtig auf, spielte Eurythmics-Hits rockig und druckvoll arrangiert. Das wirkte wie eine Frischzellenkur für die "Sweet Dreams" und den "Missionary Man". Nach dem Finale bat die gelöst wirkende Sängerin um Spenden für einen karitativen Zweck. Zum Amüsement des Publikums und ihrer Musiker gleich zweimal in "Deutschmarks". Der Euro hat sich vielleicht noch nicht überall auf der Insel herumgesprochen. Aber an diesem Abend zählte ohnehin die musikalische Währung - und damit geizte die Schottin nicht.



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