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Kultur & Live

Auf dem Weg nach Westen

Afghanistan: Das Schauspielhaus zeigt den Film "In this World".

Berlin. Jamal ist sechzehn. Eltern hat der Junge keine mehr. Er ist in einem Flüchtlingslager an der afghanisch-pakistanischen Grenze gestrandet und arbeitet für weniger als einen Dollar täglich in der Ziegelfabrik von Peshawar. Ein Leben ist das nicht. Nur noch nackte Existenz. Jamals Vetter Enayat verkauft Elektroartikel am Marktstand der Familie. Das ist zwar immerhin ein bescheidenes Leben, aber Enayat soll es einmal besser haben. Fluchthelfer, so beschließt es der Vater, sollen den Sohn nach England schleusen. Gemeinsam mit Jamal, der ein bisschen Englisch kann . . . "In this World" hat Michael Winterbottom sein Roadmovie genannt. Schau dir an, signalisiert er dem Zuschauer, was in dieser Welt alles möglich ist an Ungerechtigkeit und Leid. Mach dein Herz auf, hab Mitgefühl mit denen, die so ungeheure Strapazen auf sich nehmen, um bei uns ein besseres Leben zu beginnen. Bei der diesjährigen Berlinale ist "In this World" mit dem Goldenen Bären geehrt worden. Die Auszeichnung galt allerdings weniger dem künstlerischen Wert des Films als seiner Moral. Die Jury fällte ihre Entscheidung unter dem Eindruck des bevorstehenden Irak-Krieges. Auch die ökumenische Jury hat "In this World" für den wichtigsten Film des Festivals gehalten und ihm ihren Friedenspreis zuerkannt. Bevor er, wenn überhaupt, in unsere Kinos kommt, zeigt ihn jetzt das Hamburger Schauspielhaus. "In this World" ist ein halbdokumentarischer Film. Winterbottom hat seine beiden afghanischen Hauptdarsteller Jama Udin Torabi und Enayatullah tatsächlich in einem Flüchtlingslager rekrutiert und ausschließlich mit Digi-Cam gedreht. Aber natürlich gab es ein Drehbuch, und natürlich weiß der Betrachter, dass die Geschichte böse enden wird, sobald der Container in Sicht kommt, in dem die beiden mit zig anderen übers Mittelmeer verschifft werden sollen. Auf das Stichwort Betroffenheitskino hat Michael Winterbottom in Berlin gereizt reagiert und dann gesagt, er habe sich in der Tat von dem furchtbaren Schicksal der 58 Chinesen anrühren lassen, die englische Zollbeamte am 19. Juni 2000 in einem Schiffscontainer in Dover tot aufgefunden hätten: "Je stärker man das den Leuten in Erinnerung ruft, umso besser!" "In This World", 11 Uhr, Schauspielhaus. Im Anschluss Gespräch mit dem afghanischen Regisseur Salimi, der zurzeit noch in Peshawar im Exil lebt.

 

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