Luxuslärm in Hamburg
Mit Ellenbogen durchs Musikgeschäft
Am Sonnabend spielt Luxuslärm im Uebel & Gefährlich. Das Konzert ist ausverkauft. Das Abendblatt traf die Band vorab beim Konzert in Bremen.
Die Band Luxuslärm bei der Verleihung des Echo-Musikpreises 2011 in Berlin.
Foto: picture-alliance / Eventpress/He/Eventpress/Herrmann
Bremen/Hamburg. Sie ist nicht besonders groß und sehr zierlich. Und trotzdem: Eine Bühne, auf der Luxuslärm-Sängerin Janine Meyer klein wirkt, müsste erst noch erfunden werden. Wie ein Wirbelwind hüpft und tanzt sie quer über das Parkett und animiert das Publikum, mitzumachen. Ohne, dass ihre Stimme dabei Kraft oder Volumen einbüßt. „Jini ist ein Wahnsinns-Energiebündel mit Rockröhre“, beschreibt Bandkollege Eugen Urlacher (Keyboard) die Sängerin. Und genau das ist auch das Geheimrezept von Luxuslärm.
Luxuslärm – das sind fünf ausgebildete Musiker, eine gehörige Portion poppiger Deutschrock, jede Menge ehrliche Liebe zur Musik – und Mut. Mut, weil der Weg dort hin, wo sie nun stehen, nicht immer leicht gewesen ist. „In den ersten Jahren haben wir von den ganzen großen Plattenfirmen immer nur gesagt bekommen „Ach, das wird alles nix“, erzählt Jini vor dem Luxuslärm-Konzert in Bremen mit einer Tasse Salbeitee in der Hand. „So was wie euch, das gibt’s doch schon, das ist doch nichts Besonderes!“, hieß es. "Das ist wie ein Schlag in den Magen für eine Band: Entmutigend und schmerzhaft“, erzählt die Frontfrau. Unterkriegen lassen haben sich die Luxuslärmer davon trotzdem nicht. Zusammen mit einer Hand voll treuen Unterstützern der ersten Stunde hat die Band ihre Zukunft kurzerhand selbst in die Hand genommen – und Erfolg damit: „Mittlerweile haben wir in jedem Winkel Deutschlands eine Fangemeinde“, so Gitarrist Henrik Oberbossel. „Mal ist sie stärker, mal überschaubarer. Aber wir spielen auch gerne vor 100 Leuten, wenn die Bock auf unsere Musik haben.“ Das merken auch die Fans und, langsam aber sicher, auch die Musikindustrie.
Im Jahr 2008 wurde die Band vom Deutschen Rock- und Popmusikerverband in gleich fünf Kategorien ausgezeichnet, dieses Jahr war sie für den Echo als bester Newcomer nominiert. Luxuslärm ging mit großen Bands wie Pur, Laith Al-Deen und Thomas Godoj auf Tour, der größte Auftritt bisher war in der Gelsenkirchener Schalke-Arena vor über 50.000 Menschen. Jini grinst. „Klar, dass die Plattenfirmen, die uns damals ablehnten, jetzt bei uns auf der Matte stehen und sagen „Hey, wir haben’s euch doch immer gesagt! Ihr seit spitze!“ Aber jetzt brauchen wir die auch nicht mehr.“ Management, Plattenfirma, Promotion – die Band macht alles selbst. Ein harter Job. Und noch lange nicht alles.
Drei Tage die Woche hat Luxuslärm nämlich Sendepause und aus den fünf Musikern werden wieder die Menschen von nebenan. Das heißt allerdings nicht, dass sich in dieser Zeit das Leben weniger um Musik dreht. Schlagzeuger Jan Zimmer hat sich vor einigen Jahren einen Herzenswunsch erfüllt und seine eigene Musikschule in Iserlohn eröffnet. Er und Jini unterrichten heute noch dort, und „das wird auch so bleiben“, so die Sängerin. „Das ist ein Ausgleich für uns, ein Nach-Hause-kommen. Es erdet ungemein, wenn man nach so einer Tour zurück zu den Gesichtern kommt, die man schon seit vielen Jahren kennt. Ich würde das nicht missen wollen.“ Klar sei durchaus zu merken, dass das Interesse an Gesangsstunden bei „der Sängerin von Luxuslärm“ zugenommen hat, seit man Songs wie „Unsterblich“ und „1000 Kilometer bis zum Meer“ im Radio hören kann. „Aber wir bevorzugen niemanden“, so Jini. „Wir geben in der Musikschule keine Konzerte, sondern machen unseren Job.“ Als sie erzählt, dass einige Schüler aber doch ganz gerne auch mal einen Song von Luxuslärm singen möchten, huscht trotzdem ein Lächeln über Jinis Gesicht. Es ist herzlich und echt. Etwas, was auch auf der Bühne deutlich zu spüren ist.
Zur Zeit ist die Band auf Akustiktour, die sie am Samstag auch nach Hamburg ins Übel&Gefährlich führt. Die kreativen Arrangements beweisen einmal mehr, dass Luxuslärm musikalisch mehr als nur den Vier-Vierteltakt draufhat. Mit Jinis starker, energiegeladener Stimme im Vordergrund bewegen die fünf Musiker sich zielsicher durch verschiedenste Stilrichtungen und geben vielen Liedern ein überraschendes, neues Gesicht, ohne dabei langweilig zu werden. „Ich genieße die Tour sehr“, so Jini. „Normalerweise spielen wir immer voll auf die Zwölf. Jetzt auf der Bühne ganz ruhig auf Barhockern zu sitzen und einen Gang runterzufahren, ist ungewohnt und ganz sicher eines der Highlights unserer Bandgeschichte.“ „Ganz ruhig“ bedeutet bei der 27-jährigen übrigens, durch an Akrobatik grenzendes Hin und Her-Wibbeln die Belastbarkeitsgrenze des Barhockers auszutesten. Jini und Stillsitzen? Das geht einfach nicht. Aber so ist das nun mal, wenn man ein Wahnsinns-Energiebündel ist.





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