Franz Wittenbrink
"Mein Kind ist geiler als dein Kind": "Eltern" feiert Premiere
In Zeiten schrumpfender Bevölkerungszahlen setzt das Schauspielhaus in Hamburg auf "Eltern" – und landet einen Publikumserfolg.
Unverkennbar: "Eltern". Der Liederabend von Franz Wittenbrink feierte jetzt am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg Premiere.
Foto: HA / A.Laible
Hamburg. Bei der Uraufführung von Franz Wittenbrinks szenischem Liederabend "Eltern" am Donnerstag im Deutschen Schauspielhaus dankten die Zuschauer mit viel Befall und Gelächter. Im bewährten Mix aus Rock- und Popsongs, Volkslied und Oper nimmt der Theatermusiker und Regisseur Lust und Frust des heutigen Lebens mit Kindern aufs Korn. Mit dem musikalisch zwar zündenden, inhaltlich aber eher populistischen Werk kehrt Wittenbrink an seine alte Wirkungsstätte zurück, in der er 1995 dank "Sekretärinnen“ seinen Reigen inzwischen legendärer Liederabende begründet hatte.
Je weniger Nachwuchs sie zur Welt bringen, desto überforderter reagieren die Erzeuger – so lautet offensichtlich seine Kernthese. Von Geburtsvorbereitungen mit Beckanbodentraining und „Om"-Singen bis zum Warten der Greise im Altersheim auf ihre Kinder reicht sein zweistündiger Abend inklusive Kaufrausch, Konkurrenzdenken („Mein Kind ist geiler als dein Kind"), sexuelle Defizite und Trennung.
Wittenbrink wirft dabei ein ironisches Auge auf verschiedene soziale Milieus, zehn spielfreudige, stimmstarke Akteure unterstützen ihn. So brillieren etwa Anne Weber und Tim Grobe, wenn sie Mozarts „Papageno“-„Papagena“-Arie als politisch korrektes Ökopärchen singen, das Plüschtiere und Pampers bergeweise nach Hause schleppt.
Bettina Wegners Rühr-Hit „Sind so kleine Hände“ und Steppenwolfs „Born To Be Wild“ kommen in pfiffigen Arrangements und teilweise neuen Texten genauso zu Gehör wie „Sexy Motherfucker“ von Prince und Friedrich Holländers „Baby, wo ist mein Baby“. In zwei Logen nahe der Bühne leitet Wittenbrink am Piano seine pointiert aufspielende vierköpfige Band.
Der 62-jährige Urheber des Abends war von 1993 bis 2000 Musikalischer Leiter am Schauspielhaus, hatte dort auch 1997 mit „Männer“ Erfolg. Seither arbeitete er an großen Häusern etwa in Düsseldorf und Wien sowie auf Festivals wie Aix-en-Provence.





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