Fernsehen
"Restrisiko": Störfall in Atomkraftwerk bei Hamburg
Sat.1 zeigt heute den Thriller "Restrisiko" um ein fiktives Kernkraftwerk bei Hamburg. Ein Horrorszenario, wenn auch Science-Fiction.
"Restrisiko" mit Thomas Sarbacher (v.l.), Ulrike Folkerts und Kai Wiesinger läuft heute Abend um 20.15 Uhr auf Sat.1.
Foto: dpa
Hamburg. So hat man den Rathausmarkt noch nie gesehen: auf dem Boden überall Unrat, ringsum flattert Plastikmüll im Wind, von der Besatzung eines Polizeiwagens keine Spur. Überhaupt ist Hamburgs City wie ausgestorben. Abgesehen von Plünderern und dem Militär, das Jagd auf sie macht, irrt nur eine Frau mit Schutzmaske durch menschenleere Häuserschluchten. Die Hansestadt nach der Katastrophe - so stellt sie sich Urs Egger also vor.
Der Schweizer Regisseur hat den Ernstfall geprobt. Im Sat.1-Thriller "Restrisiko" geht ein fiktives Kernkraftwerk bei Hamburg hoch und dass es verteufelt nach einem anderen Krisenreaktor der Region klingt, ist sicher kein Zufall. Nach einem vergebens vertuschten Trafobrand steht die Laufzeitverlängerung von Bruns-, Pardon: Oldenbüttel auf dem Spiel. Zu Recht, wie sich zeigt. Denn Ulrike Folkerts als dessen Sicherheitschefin und ihr PR-Berater (Matthias Koeberlin) werden von professionellen AKW-Fans zu Anti-Atom-Aktivisten, als sie von weiteren Mauscheleien zum Erhalt des maroden Alt-Meilers erfahren.
Es ist ein beklemmendes Szenario - vor allem in der evakuierten Millionenstadt. Um sie für ein paar Stunden entvölkert zu zeigen, musste Urs Egger reichlich improvisieren. Eine schwierige Aufgabe, befand er noch während der Dreharbeiten in Hamburg und Umgebung. Busse lassen sich nicht umleiten, Kirchglocken nicht abschalten, das Leben sucht sich seinen Weg. Und so filmte das Sat.1-Team vor allem in den frühen Sonntagstunden, um die Ost-West-Straße mal ohne Autos zu zeigen und den Rödingsmarkt ohne Stau. Um die Bannmeile sperren zu dürfen, halfen zudem die guten Kontakte von Studio Hamburg ins Rathaus.
"Restrisiko" ist kein guter Film geworden, aber ein intensiver. Er spielt geschickt mit den Ängsten und positioniert sich entsprechend. Atomkraft, so die Botschaft, ist gefährlich, ein Vertreter wie der Werksleiter (Kai Wiesinger) rücksichtslos profitgeil und die Laufzeitverlängerung sowieso verantwortungslos. Das spricht vielen im Land aus dem Herzen. Denn so wie im Film will keiner Hamburg sehen. Auch wenn es bloß Science-Fiction ist.
Restrisiko heute Sat.1 20.15 Uhr





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