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Kultur & Live

Bravos für eine starke Inszenierung

"Von Mäusen und Menschen" in Altona

Hamburg. Beinahe hätte John Steinbecks Haushund Toby das einzige Exemplar der Schauspielnovelle "Von Mäusen und Menschen" verspeist und sein Herrchen damit eventuell vor weiterem Weltruhm bewahrt. "Der arme kleine Kerl hat möglicherweise wie ein Kritiker gehandelt", kokettierte der spätere Pulitzer- und Nobelpreisträger Steinbeck. Pures "Fishing for Compliments", denn Grund zur Autorenschelte hatten die Rezensenten weder damals noch heute - erst recht nicht, wenn ihnen der Klassiker wie gerade am Altonaer Theater in so großartiger Besetzung, stimmiger Ausstattung und sauberer Regie vorgesetzt wird. Kern der Geschichte um Freundschaft, Moral und Mut zum Anderssein ist das Schicksal der Landarbeiter Lennie und George: der eine debil, aber bärenstark, der andere der pfiffige Kopf der beiden. Immer wieder bringt Lennies Sehnsucht nach der Weichheit von Kaninchen oder Mädchenkleidern ("Nix Schlechtes - bloß streicheln!") die Freunde in Schwierigkeiten, immer wieder müssen sie fliehen und den gemeinsamen Traum vom eigenen Hof erneut aufschieben. Als Lennie in ängstlicher Zuneigung der Frau des Farmersohns das Genick bricht, wird George zur Lebensentscheidung gezwungen. In einem schnell geschnittenen, mit wummernden Beats unterlegten Videoclip lässt Regisseurin Barbara Neureiter ihre Protagonisten zunächst filmisch durch eine trostlos bäuerliche Landschaft hetzen. Mit Weizenfeldern oder nasskalten Flussbetten wird bedrückende Herbststimmung auf die Bühnenrückwand projiziert. Szenen, die vermutlich irgendwo in Mecklenburg-Vorpommern oder Schleswig-Holstein entstanden sind. Neureiter vermeidet es, den sozialen Hintergrund des Romans zu amerikanischer Südstaaten-Romantik zu verkitschen, nimmt sich aber dennoch die Freiheit, genau damit in Requisiten, Frisuren und musikalischen Zitaten zu spielen. Ihr Hauptaugenmerk allerdings liegt auf den Schauspielern, die sie jede Figur fein ausarbeiten, jede Spannung aushalten lässt. Die Inszenierung strotzt vor Virilität. Komik darf hier aus dem Moment heraus entstehen. Torsten Hammann widersteht dabei der Versuchung, seinen Lennie als holzschnittartigen Idioten zu spielen, und auch Ulrich Bähnk als emotionsgehemmter George oder Lothar Zibell als tragischer Alter seien hier aus dem fast ausnahmslos exzellenten Ensemble hervorgehoben. Bravos und Standing Ovations für eine Inszenierung weit über Stadttheaterniveau.msch

 

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