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Kultur & Live

Vampir-Film "Wir sind die Nacht"

Vier Frauen, die in Berlin Blut geleckt haben

"Wir sind die Nacht" des deutschen Regisseurs Dennis Gansel ist ein unentschlossener Beitrag zum derzeit gefragten Genre des Vampirfilms.

Karoline Herfurth als Lena (l.) und Nina Hoss als Louise in dem Vampirfilm "Wir sind die Nacht".
Foto: dapd/DAPD

"Wenn du wüsstest, dass ein Mensch dazu bestimmt ist, dich glücklich zu machen, wie viele Jahrhunderte würdest du nach ihm suchen?" Diese Frage steht ganz am Anfang des Films "Wir sind die Nacht". Und als Ouvertüre sieht der Kinozuschauer die Vampirfrau Louise (Nina Hoss) rückwärts durch die Zeit reisen. Auf Fotos des Mauerfalls ist sie ebenso zu sehen wie auf Bildern aus dem Zweiten Weltkrieg, ja sogar auf einem alten Gemälde am Königshof.

So romantisch Regisseur Dennis Gansel ("Die Welle", "Napola") seinen 100-Minüter beginnen lässt, so jäh bricht er dann die Erwartungen. Denn seine Geschichte um eine weibliche Clique von Untoten spielt in einem sehr urban inszenierten Berlin der Jetzt-Zeit. Lena (Karoline Herfurth) hält sich als Taschendiebin über Wasser. Und die Kamera folgt ihr flott durch Unterführungen, Supermärkte und über Brücken bis in die Hochhaussiedlung, in der sie lebt. Als krassen Gegensatz zu diesem abgerissenen Metropolenflair legt Gansel die Welt der Blutsauger als luxuriöses Szene- und Nightlife-Ambiente an. In dieses Leben gerät Lena unfreiwillig, als Louise in der jungen Frau ihre unerfüllte Liebe zu erkennen glaubt.

Wie die Hauptstadt dargestellt wird, zählt zu den Pluspunkten dieses doch zu unentschlossenen Films. Zahlreiche Handlungsstränge werden an-, aber nicht ausgespielt. Will "Wir sind die Nacht" von romantischer Sehnsucht erzählen oder ein starkes Frauen-Quartett mit hoher Action-Affinität zeigen? Soll die lesbische oder die heterosexuelle Liebe gefeiert werden? Soll da der Hedonismus zelebriert oder dem Hadern mit der eigenen Existenz gefrönt werden?

Natürlich gibt es zahlreiche Filme, die derlei Widersprüchlichkeiten und Komplexität zu einem spannenden Plot zusammen fügen können. Aber bei "Wir sind die Nacht" bleibt letztlich der Eindruck, dass der Film über einen guten DVD-Abend nicht hinaus reicht.

Wir sind die Nacht Deutschland 2010, 100 Minuten, ab 16 Jahren, R. Dennis Gansel, D: Karoline Herfurth, Nina Hoss, Max Riemelt u.a., täglich im Cinemaxx Dammtor, Cinemaxx Harburg, UCI Othmarschen, UCI Mundsburg, UCI Smart City; www.constantin-film.de

Bewertung: annehmbar

 

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