Einfache Botschaften, exzellente Teamarbeit. Auf den "guten Menschen von Tutzing" ist wieder einmal Verlass. Bilder des Deutschrockers.

Zweidreiviertel Stunden begeisterte Peter Maffay bei seinem ersten von drei Konzerten seine Fans.
Foto: Stefan Malzkorn
Hamburg. Der Vorhang fällt nicht. Peter Maffay kommt einfach raus und genießt den Überraschungseffekt. Das erste von drei Konzerten im CCH beginnt ohne Paukenschlag, sondern mit einer Ansprache: Maffay erklärt, was er und seine Band an diesem Abend so vorhaben, dass das Publikum nicht in dem Gestühl sitzen bleiben muss und dass er sich sehr freut, wieder in Hamburg zu sein. Der Rockstar nimmt sein Publikum - fast wie ein Kindergärtner - an die Hand.
Über sieben Brücken
Das Publikum war aus dem Häuschen
Der gute Mensch von Pollenca
In den folgenden Zweidreiviertelstunden geht es nicht um eine spektakuläre Show mit noch nie da gewesenen Überraschungen, es geht um ehrliche und handgemachte Rockmusik. Engagiert vorgetragen und perfekt gespielt, so wie seine Fans das seit Jahrzehnten von Maffay gewohnt sind. Auf Maffay ist Verlass. Sicher einer der Gründe, warum das Publikum sein Idol so verehrt und ihm wieder eine komplett ausverkaufte Hallentournee beschert hat.
Die erste Stunde gehört "Ewig", dem 13. und aktuellen Album, mit dem der 59 Jahre alte Sänger und Gitarrist Platz eins der Albumcharts erreicht hat. Mit dem akustischen "Schnee, der auf Rosen fällt" beginnt das Konzert, dann fällt der Vorhand endlich und die ganze achtköpfige Band, darunter der berühmte englische Perkussionist Ray Cooper, darf mit "Der Mensch, auf den du wartest" losrocken. "Setz die Segel, mach die Leinen los / da draußen warten deine Träume / am Horizont ist Gold - siehst du es scheinen?", singt Maffay. In vielen seiner neuen Songs wird er zum Propheten von Hoffnung in diesen krisengeschüttelten Zeiten. Seine Botschaften sind einfach: Sei deines eigenen Glückes Schmied! Glaube an die Kraft der Liebe! Doch mit dieser Schlichtheit erreicht er seine Zuhörer.
Genauso wie mit der Anmoderation zu "Auf den Scherben dieser Welt". Unser Planet, Familie und Kinder stehen in seinem Wertesystem ganz oben. "Auch wenn es platt klingt: Wir tragen Verantwortung für die nächste Generation. Wir müssen etwas gegen die Umweltzerstörung tun", sagt er. Die Botschaft kommt an. Seine Fans springen auf und applaudieren begeistert.
Maffay ist auch ein Teamworker. Er weiß, welche exzellenten Musiker mit ihm auf der Bühne stehen, und er gibt jedem Gelegenheit, seine Stärken oder unentdeckten Talente zu zeigen. Wer wusste zum Beispiel, dass Schlagzeuger Bertram Engel, dieses menschliche Metronom, auch ein starker Pianist und einfühlsamer Sänger ist? Oder dass Gitarrist Carl Carlton als Rhythm-&-Blues-Musiker eine veritable Figur abgibt?
In der zweiten Hälfte kommen mit dem früheren Gitarristen Frank Diez und dem amerikanischen Saxofonisten John Smith weitere Gäste hinzu, und dann sind endlich die Klassiker an der Reihe: "Über sieben Brücken musst du gehen", "Liebe wird verboten", "Tiefer". Bei "Falsche Propheten" schüttelt Maffay die Hände von Fans, die ihre Sitze schon lange verlassen haben und sich am Bühnenrand drängen. "Der gute Mensch von Tutzing", wie er wegen seiner verschiedenen karitativen Initiativen und Stiftungen genannt wird, ist inzwischen völlig in seinem Element. Je länger das Konzert dauert, desto mehr scheint Maffay aufzudrehen. Bei "Glaub an mich" steht er mit weit von sich gestreckten Armen auf einer Monitorbox wie eine Statue.
Nach zwei Stunden und 15 Minuten verschwinden das Energiebündel und seine Band in die Garderobe. Doch lange müssen die Fans nicht um die Zugaben bitten. "Eiszeit", jenes immer noch hochaktuelle Lied über Umweltzerstörung, wird zu einer zwölfminütigen kollektiven Mitsing- und Mitklatschnummer. "Verlier sie nicht" und "Ewig" beenden den Abend so ruhig, wie er begonnen hat. Maffay bedankt sich bei seinen Fans für die Energie, die sie ihm gegeben haben und die ihn getragen hat. Am Ende nur glückliche Gesichter. Im Mai gibt es für viele dieser Fans ein Wiedersehen in Bad Segeberg. Weil auf Peter Maffay eben Verlass ist.
Eine Bildershow zum Maffay-Konzert im CCH finden Sie unter www.abendblatt.de/kultur












