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Kultur & Live

Die schottische Band begeisterte im ausverkauften Docks

Franz Ferdinand: Rockshow mit Sex-Appeal

Ihre Live-Shows sind legendär. Am Dienstag spielte die schottische Band Franz Ferdinand in Hamburg. Am Ende wirr und psychedelisch, vorher wurde - wie immer - selbstbewusst gerockt. Bilder vom Docks-Konzert von Franz Ferdinand.


Foto: Public Address

Den Büstenhalter, der vor der ersten Zugabe auf die Bühne fliegt, hat sich Alex Kapranos redlich verdient. Die Flasche wiederum, die Bassist Robert Hardy den Fans in der ersten Reihe reicht, wurde sich in einer bereits gut eine Stunde währenden, schweißtreibenden Prozedur erworben.

Das kollektive Hüpfen (mitreißend) und das gelegentliche Hüftkreisen (verführerisch) im vollen Docks konnte einem das Gefühl geben, einem Muster-Konzert aus dem Rock’n’Roll-Katalog beizuwohnen. Dementsprechend heißen Album und Tour der grandios aufspielenden Band: "Tonight: Franz Ferdinand".

Und wenn Mythen Geschichten sind, die es geschafft haben, weitererzählt zu werden, dann ist diese Band ein Mythos. Gegründet 2001 in Glasgow, erste Auftritte in einer "Chateau" getauften Lagerhalle, mit dem Namen eines Thronfolgers versehen, dessen Ableben einen großen Krieg auslöste.

Auf dem Konzert am Spielbudenplatz gibt es unter den Tanzwilligen höchstens einen Krieg der Füße, sonst aber ist die Show des schottischen Quartetts mit bayerischen Einflüssen eine friedvolle Feier mit Enthusiasmus, Energie und Sex-Appeal. Letzterer geht vor allem von Kapranos aus. Neben dem in Süddeutschland aufgewachsenen Nick McCarthy, der den dengelnden Rhythmus Franz Ferdinands mit seinem Gitarrenspiel besorgt, läuft Kapranos zu großer Form auf. Mit ausladenden Rock-Posen, die bemerkenswert unpeinlich sind.

"Darts of Pleasure", "Do you want to", die aktuelle Single "No you Girls": Es dauert nicht lange, und Kapranos hat die Menge im Griff. Dabei kann sich die dandyeske Rampensau auf die aus voller Kehle singenden Hamburger verlassen: Der "Schampus mit Lachsfisch", legendäre Zeile aus der Debüt-Single "Darts of Pleasure", ist ein früher Höhepunkt der Show.

Das neue, etwas weniger eingängige Album wird übrigens nicht überstrapaziert. Die schnittigen und glamoröusen Hits der ersten Platte, "Michael", "The Dark of the Matinee, natürlich "Take me out", haben nichts von ihrem Druck, ihrem Selbstbewusstsein eingebüßt.

Am interessantesten sind trotzdem die neuen Songs "Ulysses" und vor allem "Lucid Dreams". Auf Platte nervt der Indietronic-Sound, der aus den bohrenden Sinus-Wellen alles herausholt, ein wenig. Live wabert er das Docks mit einer angenehm psychedelischen Klangwolke ein.

 

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