Ring des Nibelungen
Wagners Götter und Helden in der realen Welt
Die Premiere von Wagners "Götterdämmerung" am Lübecker Theater bekam stürmischen Beifall. Das Risiko des kleinen Theaters wurde belohnt.
Die "Götterdämmerung" aus Richard Wagners "Ring des Nibelungen" wird am Theater von Lübeck trotz hoher personeller und finanzieller Risiken aufgeführt. Die Premiere wurde mit viel Applaus belohnt.
Foto: Oliver Fantitsch
Lübeck. Die Welt der Götter ist in Flammen aufgegangen, die Helden sind gefallen. Das Rheingold ist wieder da, wo es hingehört, und der Niblung Alberich zieht den Vorhang zu. Mit diesem Schlussbild endete am Sonntag die Premiere von Richard Wagners „Götterdämmerung“ am Theater Lübeck – und danach brach der Jubel los. Auch der letzte Teil des von Anthony Pilavachi inszenierten „Lübecker Rings“ wurde vom Publikum mit stürmischem Beifall gefeiert. Star des Abends war die Amerikanerin Rebecca Teem als Brünnhilde, die mit ihrer dramatischen Sopranstimme die Premierenbesucher zu Bravo-Rufen hinriss.
So wie Wagner in der „Götterdämmerung“ eifrig auf Leitmotive der vorangegangenen drei Opern – „Das Rheingold“, „Die Walküre“ und Siegfried“ – zurückgreift, so nimmt auch Pilavachi frühere Themen wieder auf. So erscheint Waltraute, Brünnhildes Schwester, in der Pilotenmontur (Kostüme: Angelika Rieck), in der die Töchter Wotans in der „Walküre“ die gefallenen Helden nach Wallhall geleitet haben. Beim Schlussbild nimmt Pilavachi das erste Bild des „Rheingold“ wieder auf. In bläuliches Licht getaucht, bewachen die Rheintöchter auf dem Grunde des Flusses wieder das Rheingold, während Siegfried und Brünnhilde samt ihrer Nachkommen ihre Plätze in der Ruhmeshalle einnehmen. Das versöhnliche Schlussbild passt zum optimistischen Dur-Schlussakkord der Oper.
Pilavachi bleibt seiner Linie treu, die Handlung aus dem Mythologischen zu lösen und mit einer gewissen ironischen Distanz zu betrachten. Da blättern während des Vorspiels die drei Nornen im großen Buch der Weltgeschichte, wobei ihnen Richard und Cosima Wagner als überdimensionale steinerne Büsten über die Schultern schauen. Statt auf einem von Flammen umgebenen Felsen hausen der kühne Recke Siegfried und die Ex-Walküre Brünnhilde in einer bürgerlichen Wohnküche (Bühne: Momme Röhrbein), umgeben von zehn kleinen Walküren und Recken. Götter und Helden sind in der realen Welt der Menschen angekommen.
+++ Dieser Wagner ist ein göttlicher Spaß +++
Musikalisch ist die Lübecker Inszenierung ein echter Ohrenschmaus. Neben der großartigen Rebecca Teem ist Richard Decker ein stattlicher, wenn auch mitunter etwas zurückhaltender Siegfried. Gerald Quinn leiht dem Emporkömmling Gunther seinen profunden Bass, Gary Jankowski gibt einen herrlich intriganten Hagen. Ausrine Stundyte liefert als Gutrune auch eine beeindruckende schauspielerische Leistung, ihre Darstellung der gedemütigten und geschundenen Frau hat etwas beklemmendes. Das Orchester unter der Leitung von Generalmusikdirektor Roman Brogli-Sacher bietet eine sehr ansprechende Leistung und hat es verdient, dass es zum Schlussapplaus geschlossen mit auf die Bühne darf.
Der komplette „Ring des Nibelungen“ ist vom 10. September an an vier Abenden im Theater Lübeck zu erleben. Weitere Aufführungen der Ring-Tetralogie sind im Februar und im Mai 2011 geplant.
+++ Public Viewing zu Wagner-Oper bei den Bayreuther Festspielen +++




Branchenbuch Hamburg


100. Geburtstag
Axel Springer
Abendblatt auf Facebook

Das Rätsel des Tages




