Manchmal muss man ja nicht nur alberne Anglizismen wie "Coffee to go" oder "Sale" oder "MyMusic" und "MySpace" übersetzen, sondern auch deutsche...
Manchmal muss man ja nicht nur alberne Anglizismen wie "Coffee to go" oder "Sale" oder "MyMusic" und "MySpace" übersetzen, sondern auch deutsche Texte und Wörter. Was zum Beispiel, fragt Leser M., "müssen Eltern verstehen, die auf dem Zeugnis ihres Sohnes lesen: Erdkunde wurde epochal unterrichtet. Die Note ist versetzungsrelevant"?
Oder nehmen Sie das neudeutsche Adjektiv "systemisch", das ich vorletzte Woche "verbalen Schrott" genannt habe. Inzwischen habe ich ein paar verständliche Erklärungen gelesen, zum Beispiel: ",Systemisch' steht für letzte Hoffnung." Oder, schon etwas rätselhafter: ",Systemisch' heißt eine Gefahr, wenn sie aus einem System erwächst und dann das System bedroht."
Kanzlerkandidat Steinmeier formuliert die S-Frage so: "Hat das Unternehmen viele Zulieferbetriebe, die im Fall einer Pleite mit in den Abgrund gerissen würden? Und hat es eine Chance auf dem Markt? Bei Opel ist das der Fall." Da ist sich unser schmucker neuer Wirtschaftsminister, Karl-Theodor et cetera zu Guttenberg, nicht so sicher: Er sagt jedenfalls, es sei vor Ostern sinnlos, "ungelegte Eier anzumalen". Alles klar, oder?
Aber unser Politkauderwelsch kommt ja nicht von ungefähr. Es wird sogar gelehrt. Einem ebenso treuen wie witzigen Leser verdanke ich folgenden (scherzhaft gemeinten, aber gut erfundenen) "Praxisbericht aus der Kommunikationsarbeit" eines Studiosus der Soziologie oder der Politologie, der auf einer Parkbank ein Mädchen anbaggern will, aber abblitzt: "Ich bemühte mich, durch vorsichtige globale Sensibilisierung der Praktikantin die soziopolitische Irrelevanz sexueller Tabus evident zu machen, stieß aber auf verkrustete hierarchische Strukturen in der Mentalität meiner Partnerin, die aufzubrechen einen längeren antipaternalistischen Lernprozess zu bedingen schien. Hierfür bot ich mich zu kritischer Begleitung und Erfolgskontrolle an, konnte aber bei den vorherrschenden inhumanen Mechanismen keinerlei Motivation zu Mobilität und Flexibilität erreichen, sodass ich mich darauf beschränken musste, ein approximatives Kollektivbewusstsein zu initiieren, um vielleicht später aus dieser Randgruppenposition heraus Impulse gegen repressionsbedingte Reflexe und über das Problembewusstsein ein Gefühlspotenzial aktivieren zu können."
Ob er die Maid doch noch herumkriegt (wie "herum" eigentlich?), wird nicht verraten. Ich zweifle daran.











