St. Pauli Theater
Le Cirque Invisible: Schier unerschöpfliche Fantasie
Victoria Chaplin und Jean Baptiste Thiérrée entzücken und faszinieren das begeisterte Publikum mit ihrem „Unsichtbaren Zirkus".
Sie haben sich den forschenden Blick und die Fantasie von neugierigen Kindern bewahrt: Victoria Chaplin und ihr Mann Jean Baptiste Thiérrée.
Foto: Juergen Joost
Hamburg. Sie haben sich den forschenden Blick und die Fantasie von neugierigen Kindern bewahrt. Victoria Chaplin und ihr Mann Jean Baptiste Thiérrée entdecken alltägliche Dinge wie Kleider, Gläser, Uhren, Tische neu. Sie zweckentfremden sie zu fantastischen Skulpuren. Oder verblüffen durch ihre Verwandlungen mit Blumentöpfen, roten Japanschirmen und Zweirädern in wundersame Wesen. Der charmante Spaßvogel Thérriée mit der Silbermähne passt chamäleonartig sein Kostüm einem Gobelin, Obst oder Zebra an. Der „unwürdige Greis“ lässt als feixender Kindskopf Bälle,Tücher und das weiße Kaninchen Raoul verschwinden. Aus immer anders bemalten und zu seinem Anzug passenden Koffern zaubert er Geschichten, wie das lustige Drama vom unsichtbaren Fisch. Schließlich will der liebenswert naive Clown den Hasen und einem Dutzend schnatternd auf die Bühne watschelnden Gänsen das Lesen lehren. Die grazile, alterslos wirkende Partnerin hält leichtfüssig Schritt mit seinen oft blitzschnellen Metamorphosen. Victoria Chaplin mutiert vom Schaukelstuhl-Monster in eine Dame, macht den Teetisch unterm kreiselnden Sonnenschirm zum Kamel und lässt sich gar von einem Drachen verschlucken. Sie kommt mit Gläsern, Kuchenform und Schalen am Körper als lebendiges Glockenspiel und bringt es zum Klingen. Gelenkig und zierlich gleitet die Tänzerin über die Bühne und sinkt auf dem Drahtseil in den Spagat. Zum Finale funktioniert das seltsame Paar die widerspenstigen Drahtesel zu grotesken Geschöpfen um. Die mit Lenkern, Ketten, Pedalen und Rädern bewehrten Figuren liefern sich einen komischen Kampf, den Chaplin als sirrende Fahrrad-Elfe besänftigt. Die feinsinnigen, poetischen „Unsichtbaren Zirkus“-Spiele von Chaplin und Thérriée halten in der Bilderjagd der elektronischen Mediengesellschaft die Zeit für Momente an. Sie wierken wie aus einer anderen Zeit. Glücklich und befreit atmen die entzückten Zuschauer auf. Groß ist ihr Jubel am Schluss. Immer wieder ruft der ausverkaufte Saal das Paar auf die Bühne – und es überrascht mit weiteren Verkleidungen. Victoria Chaplin und Jean Baptiste Thiérrée können das Spielen mit Masken nicht lassen. Unerschöpflich ist ihre Fantasie.
Le Cirque Invisible Vorstellungen bis zum 10 September tägl. außer montags, jeweils 20.00, St. Pauli Theater (U St. Pauli), Spielbudenplatz 29 – 30, Karten an allen Hamburger Abendblatt-Ticket-Shops und unter der Ticket-Hotline 040-30 30 98 98; www.st-pauli-theater.de





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