Ohnsorg Theater
Gelungener Saisonstart mit "Stratenmusik"
Die von Paul Schurek inszenierte Komödie um drei arme Musikanten, die Schmuck auf der Straße finden, begeisterte das Publikum im Ohnsorg.
Szene aus dem Klassiker "Stratenmusikanten", der nun bereits das siebte Mal am Ohnsorg inszeniert wird.
Foto: Engerfoto.de
Hamburg. Paul Schureks Komödie „Stratenmusik“ hat am Sonntagabend in der warmherzigen Inszenierung von Wilfried Dziallas umjubelte Premiere am Hamburger Ohnsorg Theater gefeiert. Das Stück aus dem Jahr 1921 erzählt von den Hoffnungen einfacher Menschen auf Wohlstand und Liebe. In der Wohnküche in verblichenen Farben (Bühne: Katrin Reimers) gefallen vor allem die feinfühligen Figurenzeichnungen durch das sechsköpfige Ensemble. Dabei mimen Robert Eder, Erkki Hopf und Horst Arenthold arme Musikanten, die kostbaren Schmuck auf der Straße finden und ihr Los mit derselben Frau (Meike Meiners) verbinden.
„Is dat een Leben? (Ist das ein Leben?)“, fragt der fesche Trompeter Jan Lünk (Eder), als er mit seinen Kumpels am Küchentisch die erspielten Pfennige aufteilt. „Een Hunneleben! (ein Hundeleben)“, antwortet Flötist Hein Dickback (Arenthold), der seinem Namen alle Ehre macht. Doch der schmächtige Tubabläser Emil Spittel (Hopf) sieht die Lage philosophisch: „Allens in düsse Welt is ünnerschiedlich (Alles auf der Welt ist unterschiedlich).“ Mit dieser Eingangsszene sind die drei Helden charakterisiert. Im Laufe von Verwirrungen um plötzlich hereinbrechende Aussichten zieht besonders Hopf dank schelmisch pomadigen Spiels die Lacher auf seine Seite.
Mit viel Gespür für Zeitkolorit, Zwischentöne und Skurrilitäten hält Regisseur Dziallas (66) gut zwei Stunden lang den Bogen gespannt und lässt die „Stratenmusik“ durchaus zeitlos-aktuell ertönen. Am Ende lernen die Männer – ganz anders als etwa beim Sozialkritiker Brecht -, dass Geld nicht alles ist: Mehr zählen Freundschaft und Liebe, wenn sie denn echt sind.
Es ist bereits die siebte Inszenierung des Volksstück-Klassikers am Ohnsorg-Theater. Schon 1936 hatte Richard Ohnsorg mit „Stratenmusik“ die niederdeutsche Bühne an den Großen Bleichen eröffnet. Die neue Spielzeit ist die letzte des Theaters an alter Stelle: Im kommenden Jahr ziehen die Ohnsorgs um – ins Bieberhaus am Hauptbahnhof.




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