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Kultur & Live

Deutscher Kinofilm

Thriller und Psychogramm: "Das letzte Schweigen"

Einerseits die Ermittlungen der Polizei, andererseits die darin Verwickelten, wie zum Beispiel der Täter. Der Film erweitert die Grenze des Genrefilms.

Die Schauspieler Katrin Sass und Burghart Klaußner posieren bei der Premiere zu dem Film "Das letzte Schweigen".
Foto: dpa/DPA

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23 Jahre ist es her, dass ein elfjähriges Mädchen Opfer eines nie aufgeklärten Sexualverbrechens wurde. Auf den Tag genau und an derselben Stelle finden sich jetzt Blutspuren und das Fahrrad eines 13-jährigen Mädchens, das seit dem vorangegangenen Abend verschwunden ist. Mit einem Schlag ist in der Kleinstadt die Vergangenheit Gegenwart, besonders für den Kommissar, der seinerzeit den Täter nicht ermitteln konnte (und der jetzt gerade pensioniert wurde), und für die Mutter des damaligen Opfers, die nicht nur immer noch hier lebt, sondern auch das Zimmer ihrer Tochter unverändert gelassen hat.

Zwei Täter, drei betroffene Elternteile, vier Polizisten: das sind die Hauptfiguren dieses Films, zwischen denen sich ein komplexes Geflecht um Verlust und Verstrickung offenbart, bei dem die Figuren mit der Gewalt einer dramatischen Konstruktion immer mehr auf Kollisionskurs gehen.

Die Romanvorlage „Das Schweigen“ von Jan Costin Wagner hat der Film dabei aus Finnland nach Deutschland verlegt und dem Stoff damit sein exotisches, distanzierendes Moment genommen. „Das letzte Schweigen“ ist der zweite Langfilm von Baran bo Odar, Absolvent der Münchner Filmhochschule und für seinen Abschlussfilm „Unter der Sonne“ 2006 mehrfach ausgezeichnet. Das Streben, großes Kino zu machen statt Fernsehen, sieht man ihm deutlich an, nicht nur in der Wahl des Cinemascopeformats und der Filmlänge von zwei Stunden. Das gelingt ihm, in manchen Bildern, in manchen Konfrontationen. Aber die Überfrachtung der Figuren, die diese letztlich oft in eine Eindimensionalität treibt (bei den Polizisten der bornierte, der rechthaberische und der verstörte) arbeitet dagegen. Weil sie ihre Defekte so vor sich her tragen, fällt eine Figur umso mehr aus dem Rahmen: dem dänischen Schauspieler Ulrich Thomsen gelingt es, dem Monströsen die Züge des Alltäglichen zu verleihen.

Das letzte Schweigen 120 Minuten, ab 12 Jahren, Vorführung und Publikumsgespräch mit Regisseur Baran bo Odar und Darsteller Sebastian Blomberg am 22.8., 17.30 Uhr, im Passage-Kino; www.dasletzteSchweigen-derfilm.de

 

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