Hamburger Opernloft
Knackig-kurzes Programm: Die "Oper für Einsteiger"
"Die Zauberflöte" oder "La Traviata" als moderne Kurzoper: Das Hamburger Opernloft lockt ungeübtes Publikum in jedem Alter an.
Die Macherinnen des Opernlofts (v.l.): Inken Rahardt (Künstlerische Leitung), Susann Oberacker (Dramaturgie) und Yvonne Bernbom (Geschäftsführung) in der Baustelle des neuen Opernlofts.
Foto: dpa/DPA
Hamburg. „La Traviata“ tanzt in der Disco. Prinz Tamino und Prinzessin Pamina sausen wie bei „Star Trek“ im Raumschiff durch das All. Wagners Neun-Stunden-Werk „Der Ring des Nibelungen“ rollt in nur 90 Minuten über die Bühne, aufgeführt als Schülerspiel mit Plastikschwert im Kinderzimmer. Und Händels „Tolomeo“ nervt seine Familie, weil er lieber Kunstmaler als Firmenchef werden will: Lustvoll panscht der Jüngling in jeder Menge blauer Farbe – zu E-Gitarrenklängen. Mit solch knackigen, ins Zeitgenössische geholten Musiktheater-Interpretationen begeistert das Hamburger „Opernloft“ seit drei Jahren ein Publikum, das die großen Staatsopernhäuser eher selten betritt.
„Oper für Einsteiger“ lautet das Programm der originellen Off-Bühne, die bis vor kurzem mit 100 Plätzen in einem Gewerbehaus im Stadtteil Eilbek angesiedelt war. Ohne Orchester, Ballett oder aufwendige Kulissen erarbeitet das Leitungsteam Inken Rahardt, Yvonne Bernbom und Susann Oberacker mit jungen Sängern und Musikern frisch-freche Kurzfassungen („Opera Breve“), die doch stets Respekt vor der alten Gattung beweisen. Die Platzausnutzung der Versionen für Erwachsene, Jugendliche oder Kinder ab drei lag bei 75 Prozent. Und auch die Jury des angesehenen „Pegasus Preis“ für Privattheater zeigte sich beeindruckt: Im Herbst wird der mit 35.000 Euro dotierte Preis des Ölkonzerns ExxonMobil den „Opernloft“-Macherinnen während einer Feier in neuen Räumen überreicht.
Die befinden sich ab Mitte September in bester City-Lage gleich in der Nähe des Gänsemarktes, wo ab 1703 schon Händel gewirkt hatte. „Der Standort ist schon sehr besonders. Wir können hier viel Laufpublikum erreichen, junge Leute, denen wir auch After-Work-Operas, offene Proben oder Lieblingsliederabende unserer Künstler bieten wollen“, sagt die Kulturmanagerin, Regisseurin und ausgebildete Opernsängerin Rahardt (38) begeistert. Eröffnet wird am 17. und 18. September mit dem erfolgreichen „Tolomeo“. Bereits zur „Hamburger Theaternacht“ (11. September) servieren die Künstler Probehappen vom Ohrenschmaus. Bislang jedoch ist das neue „Opernloft“, das einen Saal mit 195 Plätzen, Probebühne und Foyer samt Lounge erhalten wird, eine einzige Baustelle.
Nackte Wände, Kabel, die von der Decke hängen und karger Zementfußboden auf ansonsten fast leeren 1400 Quadratmetern Fläche lassen derzeit kein Opern-Feeling aufkommen. Und doch sind Architektin und Handwerker schon kräftig dabei, die ersten 100000 Euro, die Rahardt und Kolleginnen von Kulturbehörde und Bezirk Mitte erhalten haben, in Ambiente zu verwandeln. Weitere 200.000 Euro, die von der Bürgerschaft kommen sollen, stehen noch aus: „dem rücktrittsbedingten Stillstand in der Politik geschuldet“, wie die Chefinnen es formulieren. Gleich nach den Sommerferien Ende August soll es aber weitergehen, damit zur Eröffnung Bühnensaal, Foyer und die erforderlichen Fluchtwege fertig sind.
Warum so viel Engagement für ein Projekt, mit dem man wohl niemals reich werden, sondern bestenfalls überleben kann? Inken Rahardt, die mit Sängerin Bernbom (34) bereits 2002 das Gastspiel-Ensemble „Junges Musiktheater“ gegründet hatte, wird leidenschaftlich: „Oper spricht den ganzen Menschen an sein Gefühl und sein Gehirn. Beides droht in unserer Gesellschaft zu verkümmern“, meint die Intendantin. Doch müsse der Aufführungsstil sich verändern: „In großen Häusern wird fast ausschließlich vor grauhaarigem Publikum gespielt. Das hat kaum Zukunft.“ Mit ihrer „Opera Breve“ oder auch der „ElectrOpera“ für Jugendliche will Rahardt Schwellenängste abbauen und andere Schichten anlocken. Besonders die Kinderoper liegt ihr am Herzen: „Wenn wir die Kleinen heute mit abstraktem Spiel erfreuen, dann werden sie auch später offen sein für moderne Inszenierungen“, ist sie überzeugt.




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