Miss Sophies Geheimnis
Der Hamburger ist der Autor unserer Kriminalgroteske, die Sie ab heute täglich im Abendblatt lesen können.
Hamburg. Wir wissen nicht, wie viele Millionen Fernsehzuschauer sich bereits diese Fragen gestellt haben: Warum sind vier Plätze an der festlich gedeckten Tafel leer geblieben? Was ist mit den Menschen, die dort sitzen sollten, geschehen? Mit Mr. Pommeroy und Sir Toby, mit Mr. Winterbottom und Admiral von Schneider? Hätten Sie's gewusst? Gewiss, Miss Sophie hat sie alle überlebt, so dass ihr Butler James seiner Herrin an deren Geburtstag allein Gesellschaft leisten muss. Nur, wie ist es dazu gekommen? Fragen über Fragen, die uns bislang ratlos hinterließen.
Erlösung ist nah. Denn die Antworten kennt, wer Michael Koglins Kriminalgroteske "Dinner for one. Killer for five" liest, die das Abendblatt von heute an in Folge druckt. "Der 90. Geburtstag und was wirklich geschah", heißt es im Untertitel - und eigentlich ist damit schon alles gesagt. Dieser höchst unterhaltsame Roman klärt eines der letzten großen Rätsel in der bundesdeutschen Fernsehgeschichte auf.
"Als ich in den frühen 70er-Jahren zum ersten Mal ,Dinner for one' gesehen habe, da habe ich es einfach nicht begriffen: Warum sind diese Stühle leer?", erzählt Michael Koglin, der 1955 im schleswig-holsteinischen Büdelsdorf zur Welt kam. "Ich dachte mir: Irgendetwas kann da nicht stimmen."
Stimmt, irgendetwas stimmt da auch nicht. Doch bis Michael Koglin dahinter kam, sollte es noch fast 30 Jahre dauern. Es war im Frühjahr vergangenen Jahres, als ihm das letzte Licht aufging: "Dieser Sketch ist eine Kriminalgeschichte." Und dann schrieb er sie auf, die Geschichte von vier gestandenen Mannsbildern, die unter so mysteriösen wie kuriosen Umständen aus dem Leben scheiden mussten. Und schließlich ist da noch ein fünfter Mann - denn Koglin nennt sein Buch ja "Killer for five" . . .
Es ist eine saukomische Kriminalgeschichte, die der in Hamburg lebende Koglin aus dem populären Sketch abgeleitet hat. Der wurde erstmals am 8. März 1963 in der Sendung "Guten Abend, Peter Frankenfeld" im damaligen Deutschen Fernsehen ausgestrahlt. Frankenfeld war kurz zuvor mit dem Regisseur Heinz Dunkhase auf Talentsuche im britischen Blackpool gewesen, wo es in jenen Tagen Variete-Shows gab wie Sand am nahen Meer. Dort entdeckten sie "Dinner for one" - der Vertrag mit Freddie Frinton und seiner Partnerin Mary Warden wurde gleich in der Garderobe aufgesetzt. Keine Fernsehsendung in Deutschland ist seitdem häufiger wiederholt worden - immer zu Silvester, und das seit 1972.
Zu jener Zeit stand Michael Koglin kurz vor dem Abitur - allerdings in Hamburg, in Schleswig-Holstein hatte er wegen seiner kritischen Artikel in einer Schülerzeitung Schulverbot erhalten. Tempi passati. Heute ist Koglin längst ein angesehener Autor von Drehbüchern, Kurzgeschichten, Kinder- und Sachbüchern sowie - natürlich - von Kriminalromanen. Dabei hält er sich - wie so viele Krimi-Autoren - an den Ausspruch des britischen Schriftstellers Eric Ambler, dem zufolge es keinen Unterschied zwischen seriöser und unterhaltender Literatur gibt, sondern nur gute und schlechte Bücher.
"Spannend aber sollten gute Bücher schon sein", ergänzt Koglin. Zum Spannungsgenre ist er denn auch auf eine Weise gekommen, die charakteristisch ist für die 70er-Jahre. "Kriminalistisch bin ich mit den Romanen des schwedischen Autorenpaars Sjöwall/Wahlöö sozialisiert worden", sagt er. Der klassische, sozialkritische Kriminalroman also. Jedoch ist der gesellschaftliche Aspekt in den Geschichten für Koglin nicht mehr so bedeutsam. "Wichtig ist, was mit den Menschen passiert."
Und darüber erfahren wir in "Dinner for one. Killer for five" so einiges. Auch über das vielleicht seltsamste Liebespaar der Bühnenliteratur. "Umfragen haben gezeigt, dass rund 80 Prozent der Deutschen Romeo und Julia kennen, aber etwa 90 Prozent kennen den Butler James und Miss Sophie", sagt Koglin und rückt so das Weltbild des Fernsehzuschauers ins rechte Licht. Doch ach, auch diese große Liebe muss schändlich scheitern. Die Standesunterschiede zwischen Diener und Herrin sind einfach nicht zu überbrücken.
Michael Koglin lässt in seiner Groteske weitere Schicksale auf- und vor allem niedergehen - und spielt dabei höchst amüsant mit den gängigen Klischees des Genres. So bewegt sich etwa sein Chefinspektor DeCraven - eine Spürnase klassischer Prägung - auf eher wackeligen Beinen in der englischen Krimitradition. Sir Arthur Conan Doyle und Dame Agatha Christie standen augenzwinkernd Pate.
Eine letzte Frage: Haben Sie sich eigentlich schon mal überlegt, woher das Tigerfell stammt, über dessen Kopf James in schönster Regelmäßigkeit stolpert? Nein? Koglin gibt Antwort.
Das Buch gibt es zum Preis von 9,90 Euro in den Abendblatt-Geschäftsstellen am Rathausmarkt 10 und in Ahrensburg, Manhagener Allee 13.
Michael Koglin liest und signiert sein Buch am 21. 12. (17 Uhr) in den Zeise-Hallen (Friedensallee 7-9) in Ottensen.



Branchenbuch Hamburg


100. Geburtstag
Axel Springer
Abendblatt auf Facebook

Das Rätsel des Tages




