23.07.10

Medienmacher

Der Jahresempfang des NDR fällt dem Rotstift zum Opfer

Der Fernseh- und Rundfunksender muss wegen rückläufiger Werbeerlöse und zurückgehender Gebührenerträge bis 2012 50 Millionen Euro sparen.

Hamburg. Die NDR-Mitarbeiter erfuhren es am Freitag via Intranet: Der für den 2. September geplante Jahresempfang des Senders fällt "vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Lage und des Sparpakets, das die Leitung des Hauses beschlossen hat", aus. Der NDR muss wegen rückläufiger Werbeerlöse und zurückgehender Gebührenerträge bis 2012 50 Millionen Euro einsparen. Zudem sei es nicht möglich gewesen, "im erhofften Ausmaß" Sponsoren für den Jahresempfang zu finden. "Eine solche Veranstaltung passt derzeit nicht in die Landschaft", sagt NDR-Intendant Lutz Marmor. Besonders betrüblich ist dies für die Direktorin des Landesfunkhauses Hamburg, Maria von Welser, die auf dem Jahresempfang verabschiedet werden sollte. Dies wird nun zu einem anderen Zeitpunkt in einem kleineren Kreis beim NDR-Fernsehen in Lokstedt geschehen. Zuvor hatte bereits das ZDF seinen traditionellen "Hansetreff" abgesagt. Im NDR-Intranet wird auch darauf verwiesen, dass die Axel Springer AG, in der auch das Abendblatt erscheint, 2009 wegen der Finanzkrise viele Veranstaltungen ausfallen ließ.

Altpapierverwertung oder Leserservice? Diese Frage stellt sich angesichts einer Aktion der "Für Sie", die im Jahreszeiten-Verlag erscheint. Einem Großteil der Auflage der aktuellen Ausgabe der Frauenzeitschrift ist ein Exemplar des im selben Verlag erscheinenden "Merian" beigelegt. Die auf diesem Weg vertriebenen Ausgaben des Reisemagazins sind allerdings schon etwas älteren Datums: Ein "Merian"-Heft über Tirol erschien im Januar 2004, eine Ausgabe über Mecklenburg-Vorpommern bereits im Februar 2003. Dort findet sich ein Bild der Kreidefelsen von Rügen, auf denen die 2005 abgestürzten Wissower Klinken noch zu sehen sind. Ein Stück beschäftigt sich mit dem mittlerweile abgesetzten Schweriner "Tatort". Und ob sich mit den Service-Seiten der alten "Merian"-Hefte noch etwas anfangen lässt, sei mal dahingestellt.

Der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) setzt in der Auseinandersetzung um die Online-Angebote von ARD und ZDF eher auf den Rechtsweg als auf die EU-Kommission in Brüssel. Vergangene Woche hatten die Gremienvorsitzenden der ARD die Internet-Portale des Senders ohne größere Beanstandungen durchgewinkt. In einem Gutachten für die ARD setzte zudem der ehemalige Verfassungsrichter Hans-Jürgen Papier Internet und Rundfunk gleich. Der VDZ sieht dagegen in der Entscheidung der ARD-Gremien ein Verstoß gegen geltendes Recht, das öffentlich-rechtlichen Sendern presseähnliche Online-Angebote verbietet. Nach Angaben seines Experten für Europa- und Medienpolitik, Christoph Fiedler, will sich der Verband nun bei der Rechtsaufsicht der Anstalten beschweren. Beim NDR wäre dies derzeit beispielsweise die niedersächsische Staatskanzlei. Sollte auch das nicht fruchten, könne, so Fiedler, vor Gericht geklagt werden.

Mit dem langjährigen Gruner?+ Jahr-Pressesprecher Kurt Otto geht am Freitag einer der ganz großen Kommunikatoren der Medienbranche in den Ruhestand. Otto, der in seiner 40-jährigen Karriere auch dem Bauer-Verlag, dem "Spiegel" und der Verlagsgruppe Handelsblatt diente, behandelte Medienjournalisten stets fair, verbreitete nie belanglose Floskeln, sondern redete Klartext. Einer wie er wird fehlen.

Diese Kolumne geht nun in die Sommerpause. Die nächste Ausgabe erscheint am 21. August.

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