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Kultur & Live

Von Pracht und Empfindsamkeit in der Gänsemarktoper

Viel ist darüber gespottet worden, dass erst ein Berliner Ensemble anreisen müsse, um den Hamburgern die glanzvolle Zeit ihrer barocken...

Hamburg -. Viel ist darüber gespottet worden, dass erst ein Berliner Ensemble anreisen müsse, um den Hamburgern die glanzvolle Zeit ihrer barocken Gänsemarktoper, die von 1678-1738 existierte und Vorgänger der Staatsoper war, vor Ohren zu führen. Egal woher, die Akademie für Alte Musik und die französische Sopranistin Sandrine Piau haben in der Laeiszhalle hinreißend musiziert: ohne Hetze, ohne Effekthascherei, aber mit jenem Ernst, auf dem sich Geist und Witz erst entfalten können.

Gleich eingangs bei Johann Christian Schiefferdecker zeigte das Orchester, wie organisch es mit den Gestaltungsmitteln der Epoche umging. Die Geigen malten einen ganzen Reigen musikalischer Charaktere, blühend im Klang, metrisch flexibel und üppig grundiert vom Continuo samt Theorbe und Barockgitarre.

Das Programm gruppierte sich um Auszüge aus Singspielen von Reinhard Keiser, dem Direktor der Gänsemarktoper. Mit großer Geste zogen die Musiker den Vorhang auf für die Sopranistin, und Piau folgte Keisers empfindsamer Musik in jede Verästelung. Soviel Intimität ließ fast vergessen, wie groß der Saal war, den sie mit ihrer schlanken Stimme füllte. Selbst das Continuo ging auf Zehenspitzen und beschränkte sich auf wenige Töne.

Die Sinfonia aus Keisers Singspiel "Der lächerliche Printz Jodelet" und Telemanns Concerto e-Moll für Blockflöte und Traversflöte gerieten förmlich zu Wimmelbildern, wie man sie von Breughel kennt: Nadelspitz rasten die Streicher, der Trommler tanzte seinen Part, und die Solisten spielten Hirtenmelodien oder wetteiferten um virtuose Überraschungseffekte. Nur schade, dass das Programm die Namen der Künstler nicht verriet.

Bei den Arien und Rezitativen von Telemann und bei Händels Opernerstling "Almira" ging es für Sandrine Piau erheblich virtuoser zu. Leider hielt sie sich bei den Koloraturen und Intervallsprüngen so zurück, dass die Spitzentöne kaum zu hören waren. Die Selbstverständlichkeit, mit der sie ihr Publikum am Seelenleben ihrer Figuren teilhaben ließ, hätte man sich auch an diesen Stellen gewünscht.vfz

 

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