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Kultur & Live

Filmkonzert: "Phantom der Oper"

Melodramatik mit hohem Unterhaltungswert

So richtig schön gruselig war es zwar nicht, aber dafür bot der Stummfilm-Klassiker "Phantom der Oper" beim Filmkonzert der Hamburger Symphoniker in...

Hamburg. So richtig schön gruselig war es zwar nicht, aber dafür bot der Stummfilm-Klassiker "Phantom der Oper" beim Filmkonzert der Hamburger Symphoniker in der Laeiszhalle großartige Unterhaltung. Phantom-Darsteller Lon Chaney sieht tatsächlich so aus, als wäre er seit Wochen in Verwesung übergegangen. Doch ansonsten betrachtet man die zappeligen Gestalten mit den aufgerissenen Augen und den melodramatisch zur Schau gestellten Gemütsbewegungen eher amüsiert als erschrocken.

Vom Film selber prägen sich so mehr einzelne Bilder ein: Etwa wenn Erik, der verliebte Musikenthusiast mit der Totenkopfvisage, unter der riesigen Brust der Polyhymnia-Statue auf dem Dach des Palais Garnier herumturnt.

Wenn einen dieser Groschenheft-Mythos fesselt, dann wegen solcher Bilder, der gespenstischen Katakomben-Szenerie und der Musik von Carl Davis. Der Amerikaner hat die Nachvertonung von Stummfilmen zu einer eigenen Kunstform kultiviert und 1996 auch für das "Phantom" einen neuen Soundtrack komponiert. Dort mischen sich dann Anklänge an die Unterhaltungsmusik des second Empire, die obligatorischen Geisterklänge der Bösewichtorgel oder herrliche Schmachteinlagen für Solo-Violine und Cello - mit Inbrunst gespielt von Stefan Czermak und Valery Krivoborodov.

Davis zieht virtuos alle klanglichen Register des gewieften Filmkomponisten - tiefschwarze Holzbläser etwa, wenn das böse Phantom umgeht -, aber er verzichtet auf Ohrwürmer oder allzu plakative Leitmotivik. Seine Musik fließt vorüber, schafft Stimmungen, setzt Akzente und zieht einen mit, ohne je die volle Aufmerksamkeit zu beanspruchen.

Vom Dirigenten Frank Strobel wurde all dies souverän und mit sicht- wie auch hörbarem Spaß an der Sache mit dem Geschehen auf der Leinwand koordiniert. So waren, als zum guten Schluss der Vorhang über dem entstellten Bösewicht fiel, 90 Minuten wie im Flug vergangen.ist

 

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