"Aida" in der Hamburgischen Staatsoper
Tödliches und packendes Spiel zwischen Macht und Liebe
Bei der Premiere von Guy Joostens "Aida"-Inszenierung heimste die ungemein präsente Latonia Moore den meisten Beifall ein.
Franco Farina und Latonia Moore in der "Aida"-Inszenierung der Hamburgischen Staatsoper.
Foto: HA / A.Laible
Hamburg. Am Ende war sie ein schöner Erfolg, die „Aida“ in der Hamburgischen Staatsoper, die am Sonntag Premiere hatte. Völlig ohne Ägypten-Deko bringt sie Regisseur Guy Joosten auf die Bühne, reduziert auf das tödliche Spiel zwischen Macht und Liebe. Dazu das intelligente Bühnenbild von Johannes Leiacker, das die verblüffend mobilen weißen Architekturteile der Macht liefert, die sich am Ende zum unendlichen langen Grabgang ordnen.
Dort sterben Aida und Radames von eigener Hand durch Gift; die Pharaonentochter Amneris wird in ihrer ausweglosen Liebe dort bald ebenfalls sterben. Immer wieder führen Traumsequenzen, optisch durch Projektionen von der Opernhandlung abgesetzt, zu den Visionen, Ängsten und Hoffnungen der Figuren.
Carlo Montanaro leitet die Philharmoniker und den Chor eher sachlich und verkneift sich jedes Schwelgen in allzu dickem Verdi-Klang, das tut der gesamten Partitur durchaus gut. Er kann sich auf Solisten stützen, von denen die ungemein präsente Aida von Latonia Moore den meisten Beifall einheimst. Zugestanden hätte der allerdings Laura Brioli, die die Amneris als verzogenes, penetrant Champagner-abhängiges, in ihrer verschmähten Liebe aber ebenso bedauernswertes Luxus-Gör spielt. Ihr Mezzosopran hat vor allem in den tiefen Lagen eine metallische Note, die der dramatischen Ausdeutung ihrer Verzweiflung sehr zugute kommt und der Gänsehaut auslöst, wenn sie ihre Wut austobt.
Latonia Moore bringt Stimmvolumen und großes dramatisches Potenzial mit, läuft aber – genau wie der Feldherr Radames (Franco Farina) – erst im dritten Akt zu wirklicher Hochform auf.
Franco Farina stemmt seine Tenor-Partie im Wortsinn; über weite Strecken gerade zu Beginn spürt man ihm die Anstrengung an. Dennoch: Fast alle Töne sitzen, und nach der Pause wächst auch seine Selbstsicherheit. Zum Gesamteindruck nicht wenig trägt bei, dass auch die kleineren Rollen gut besetzt sind: Wilhelm Schwinghammers Pharao und Andrzej Dobbers gefangener äthiopischer Herrscher Amonasro hatten königliches Format; und Diogenes Randes gab dem Oberpriester Ramfis kraftvoll intrigantes Format.





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