Medienmacher
Muss Sat.1 demnächst mehr Nachrichten senden?
Die Landesmedienanstalten dringen auf mehr Nachrichten-Sendezeit bei den großen Privatsendern. Aber: News sind nicht unbedingt quotenträchtig.
Mit der Bemerkung, Nachrichten seien für das Image von Privatsendern bei Politikern wichtig, nicht aber für die Zuschauer, hat der Vorstandschef von ProSiebenSat.1 Thomas Ebeling Ende 2009 eine Debatte losgetreten, die noch lange nicht beendet ist. Wie viele Minuten Nachrichten muss ein Privatsender täglich im Programm haben? Und dürfen Sender, die ein bestimmtes Quantum der teuren, aber nicht gerade quotenträchtigen Nachrichten senden, auf eine wie auch immer geartete Belohnung hoffen?
Um diese Fragen ging es am Dienstag bei einem vertraulichen Gespräch am Rande der Fachtagung "Medientreffpunkt Mitteldeutschland" in Leipzig. Mitglieder der Arbeitsgruppe Nachrichten der Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten trafen sich mit den Medienpolitikchefs von ProSiebenSat.1 und RTL, Annette Kümmel und Tobias Schmid, sowie mit dem Präsidenten der Privatsendervereinigung VPRT Jürgen Doetz. Die Vertreter der Landesmedienanstalten schlugen vor, dass Sender mit einem Marktanteil von mehr als zehn Prozent künftig mindestens eine Stunde Nachrichten pro Tag bringen müssen. RTL dürfte diese Vorgabe schon heute erfüllen, Sat.1 eher nicht.
Bei einem Marktanteil von fünf bis zehn Prozent sollen künftig 20 Minuten Nachrichten ausreichend sein und bei einem Marktanteil von unter fünf Prozent eine Viertelstunde. Sender, die diese Vorgaben erfüllen, sollen bevorzugt in die - allerdings immer unwichtiger werdenden - analogen Kabelnetze eingespeist werden. Zudem sollen sie besonders attraktive Plätze im digitalen Kabel bekommen.
Die Vertreter der Privatsender können sich auch andere Anreize vorstellen, etwa weniger Werberegulierungen oder aber finanzielle Hilfen bei Infrastrukturmaßnahmen. Nun soll erst einmal ein Gutachten in Auftrag gegeben werden, das voraussichtlich im Herbst vorliegen wird.
Ebenfalls am Dienstag gab der Pay-TV-Sender Sky bekannt, eine Kooperation mit dem Kölner Kabelnetzbetreiber Netcologne eingehen zu wollen. Dessen Kunden sollen Sky-Programme künftig zusammen mit Internet- und Telefonanschlüssen angeboten werden. Ein ähnliches Paket schnürt der Abokanal offenbar gemeinsam mit der Norderstedter Kabelgesellschaft wilhelm.tel und deren Hamburger Tochter willy.tel. Gespräche zwischen Sky und seinem Unternehmen bestätigte ein Wilhelm.tel-Sprecher auf Anfrage. Zu deren Inhalt mag er sich aber nicht äußern.
Hat das einstweilige Scheitern von Stefan Austs Magazinprojekt "Woche" irgendwelche Auswirkungen auf dessen Pläne, beim Nachrichtensender N24 einzusteigen? Wohl nicht direkt. Allerdings sollte N24, wie es in Senderkreisen heißt, das Online-Portal der "Woche" mit Bewegtbildern versorgen. Aust selbst sagt, dass so etwas denkbar gewesen wäre. Das Portal hätte aber auch mit anderen Anbietern kooperieren können.
Dienstag erwartet die Redaktionsgemeinschaft des Kölner Zeitungshauses M. DuMont Schauberg dessen Patriarchen Alfred Neven DuMont. Er will mit den Redakteuren eine House Warming Party feiern. Sie kommt etwas spät: Die Redakteure beliefern schon seit dem 26. April aus Berlin die Abonnementzeitungen "Frankfurter Rundschau", "Berliner Zeitung", "Kölner Stadtanzeiger" und "Mitteldeutsche Zeitung" mit Themen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.













