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Kultur & Live

Radiocamp: Vielfalt statt Mainstream

Das Radio der Zukunft läuft im Internet

Bei der Konferenz für Programmmacher geht es um inhaltliche, technologische und juristische Themen.

Hamburg. Sieben Millionen Songs stehen den Nutzern von Last.FM zur Verfügung, ausschließlich spezielle Musik abseits der Hitparaden bietet Byte.fm seinen Hörern 24 Stunden am Tag, über den Service von radio.de sind weltweit mehr als 10 000 Stationen zu empfangen, vom Broadcast-Giganten bis hin zum kleinen Nischensender. "Das Medium Radio erlebt durch das Internet gerade eine Renaissance. Immer mehr neue Angebote entstehen", sagt Frank Felix Debatin, Gründer von 1000Mikes. Seine Website ermöglicht die Verwandlung eines Telefons und Computers in eine interaktive Internet-Radiostation.

Um seine Inhalte an den Hörer zu bringen, braucht Ruben Jones Schnell Erneuerer wie Debatin. Der Musikwissenschaftler und Moderator Schnell hat vor gut einem Jahr den in Hamburg im Bunker an der Feldstraße ansässigen Sender Byte.fm gegründet. Bei Schnells Internet-Radio sind mittlerweile fast 100 Moderatoren auf Sendung, die zu den besten Musikjournalisten in Deutschland gehören. Sie gestalten ein individuelles Programm, das nur ihrem eigenen Geschmack verpflichtet und somit ein Gegenentwurf zu den computergesteuerten und musikalisch stark eingeschränkten Programmen herkömmlicher Radiostationen ist.

Byte.fm hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Vielfalt von Popmusik abzubilden und journalistisch zu begleiten, wie das früher in den öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten üblich war. Bei Byte.fm gibt es zum Beispiel Musik von spannenden jungen Bands wie Fleet Foxes, Bon Iver oder Vampire Weekend, die in den Programmen des NDR nur abends, aber nicht im Tagesprogramm gespielt werden.

Mit den neuen Möglichkeiten des Internets bekommt Radio wieder eine musikalische Vielfalt, die angesichts der vielen ähnlich klingenden terrestrischen Mainstreamsender auf der Strecke geblieben ist. Bei Radio.de kann in einer Suchmaske der gewünschte Stil eingegeben werden. Zum Thema "Go thic" finden sich auf Anhieb 40 Sender.

Viele dieser neuen Entwicklungen werden heute in der Hamburg Media School beim ersten Radiocamp in Hamburg diskutiert. Bei dieser offenen Konferenz mit Vorträgen und Workshops werden ebenso technologische und juristische Fragen erörtert wie Marketingstrategien, Lizensierungsmodelle und Inhalte eines "New Radio". Es scheint, als würde das herkömmliche Radio bald abgelöst. Die Musik spielt in Zukunft auf dem Handy oder auf dem Computer. Und zwar als persönliches Wunschkonzert.


Radiocamp heute 10 bis 18 Uhr, Hamburg Media School, Finkenau 35, Informationen unter www.radiocamp2009.de

 

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