24.04.10

Medien-Macher

Wie viel Stefan Aust steckt in dctp.tv?

Das Online-Portal hat dem ehemaligen Spiegel-Chef wohl das eine oder andere zu verdanken. Es gewann bei den Lead Awards die Kategorie Web TV.

An Stefan Austs unter dem Arbeitstitel " Die Woche " entwickelten Magazinprojekt kommt derzeit kein Medienjournalist vorbei. Auch diese Kolumne nicht, obwohl die Axel Springer AG , in der auch das Abendblatt erscheint, Hauptgesellschafter des Aust-Titels werden könnte. Berichterstattung über das eigene Haus findet an dieser Stelle prinzipiell nicht statt. Da Springer bisher aber noch keine Anteile an der "Woche" hält, spricht nichts dagegen, ein Szenario über den künftigen Gesellschafterkreis wiederzugeben, wie es derzeit in Hamburger Branchenkreisen diskutiert wird: Demnach sollen auf Springer künftig 52 und auf Aust acht Prozent der Anteile entfallen. 20 Prozent könnte sich die WAZ-Gruppe sichern. Für weitere 20 Prozent soll ein Regionalzeitungsverlag im Gespräch sein. Entschieden ist freilich noch gar nichts. Das Ganze ist eben nur ein Szenario.

Apropos Stefan Aust: Das Online-Portal dctp.tv der Produktionsgesellschaft dctp von Filmemacher Alexander Kluge hat dem einstigen "Spiegel"-Chef wohl auch das eine oder andere zu verdanken. Die Frage ist nur, was genau? Laut dctp.tv-Geschäftsführer Jakob Krebs wurden bei der Entwicklung des Portals, das Ende März bei den Lead Awards die Kategorie Web TV gewann, "jede Menge Anstöße von Aust" berücksichtigt. Mehr nicht. Laut Aust ist dctp.tv aber "fast identisch" mit einem Web TV-Portal namens Spiegel TV Onlive , das er gegen Ende seiner "Spiegel"-Zeit entwickelte. Grünes Licht gab es für dieses Projekt nie. Interessant sind diese bisher kaum bekannten Web-Fingerübungen Austs vor dem Hintergrund des Online-Projekts, das dem von ihm entwickelten Magazin "Die Woche" zur Seite gestellt werden soll.

Nach wie vor liegt dem Stern " keine Klage der "Bunten" vor. Bekanntlich wollte sie gegen eine Geschichte der Illustrierten über die dubiose Berliner Agentur CMK juristisch vorgehen, die im " Bunte "-Auftrag das Privatleben von Spitzenpolitikern ausspähte. Von den fragwürdigen Praktiken der Agentur will das People-Magazin nichts gewusst haben. Mit den Juristen des "Sterns" hat die Rechtsabteilung des "Bunte"-Verlags Burda aber gleichwohl zu tun, wenn auch völlig anders als gedacht: Das Zeitschriftenhaus hatte am Donnerstag in der Fachpresse eine Anzeige geschaltet, in der riesengroß das "Stern"-Logo abgebildet war. Daneben stand zu lesen: "Ohne ,Bunte' wäre er am Donnerstag die Nummer 1 am Kiosk." Sachlich ist das richtig: Tatsächlich verkauft die "Bunte" am Kiosk mehr Hefte als der "Stern". Die Frage ist nur, ob es das Markenrecht erlaubt, das überdimensionale Logo eines Wettbewerbers ohne dessen Zustimmung in einer Anzeige zu platzieren. "Unsere Rechtsabteilung hat sich mit Freude auf dieses originelle Sujet gestürzt, es juristisch bewertet und dann einen gerichtlich inspirierten Schriftverkehr mit den Kollegen des Burda-Verlags begonnen", sagt "Stern"-Verlagsgeschäftsführer Thomas Lindner .

Die NDR Hamburgwelle 90,3 hat sich eine Programmauffrischung verordnet, die im Wesentlichen aus drei Elementen besteht: Das Sounddesign von 90,3 ändert sich. So werden etwa vor den Nachrichten und dem Wetterbericht neue Erkennungsmelodien zu hören sein. Die Hamburgwelle bekommt ein eigenes Verkehrsstudio und entsprechend mehr Verkehrsmeldungen. Künftig wird der Sender zudem mehr unterschiedliche Musiktitel im Programm haben, weil er Zugriff auf einen neuen Oldie-Pool erhält. In Kraft treten werden die Änderungen zum 1. Mai.

Kai-Hinrich.Renner@abendblatt.de

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