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Kultur & Live

Porträt der dänischen Schauspielerin

Trine Dyrholm - auf dem Weg zum Star

In "Troubled Water" spielt Trine Dyrholm eine Mutter, die ihre Tochter verloren hat. Eine facettenreiche Aktrice - ab Donnerstag im Kino.

Szene aus "Troubled Water": Agnes (TRINE DYRHOLM) ist eine Mutter, die nicht vergessen kann.
Foto: Kool Film

Dyrholm, die Erste. Trine Dyrholm ist eine der bekanntesten Schauspielerinnen Dänemarks. So bekannt, dass ein Interview mit ihr bisweilen nur per Telefon möglich ist. Anruf also bei der Schauspielerin, die im aktuellen norwegischen Drama "Troubled Water" die Hauptrolle spielt.

Zunächst ist nicht sie selbst, sondern sozusagen Kopenhagen am Telefon. Man hört Gehupe, dänische Gesprächsfetzen, Lärm. Eine ganze Weile. Dann sagt sie plötzlich: "Hi. In vier Minuten bin ich in meinem Auto. Können wir dann sprechen?"

Dyrholm, die Zweite. Ist es nicht unbequem, im kalten Auto ein Interview zu geben? "Och, ich habe schon schlimmere Dinge gemacht", sagt die 37-Jährige im charmant nordisch eingefärbten Englisch. So? Was denn zum Beispiel? Pause. "Wollten wir uns nicht über einen Film unterhalten?", fragt sie. Ach ja.

Dyrholm, die Dritte. "Troubled Water" erzählt von einem jungen Mann, der nach einem Gefängnisaufenthalt wieder nach einem Platz in der Gesellschaft sucht. Er soll den Tod eines kleinen Mädchens verschuldet haben. Unter fremdem Namen beginnt er als Organist in einer Kirche zu arbeiten. Dort entdeckt ihn eines Tages die Mutter des toten Mädchens - Dyrholm. Es kommt zu heftigen Begegnungen zwischen den beiden, bei denen Dyrholm zur Furie wird. Solche Szenen sind Steilvorlagen für die blonde Schauspielerin, die Extremsituationen liebt. Wie in ihren Rollen als Kindsmörderin in "In deinen Händen" oder als traumatisierte und desillusionierte Ex-Soldatin in "Little Soldier" nutzt sie auch hier diese Herausforderung auf beeindruckende Weise. "Die Geschichte ist zwar heftig, aber auch universell, deshalb kann man sich gut mit ihr identifizieren", sagt sie. Wichtiger noch als die Extreme sind ihr die Zwischentöne. Viele entstanden während der Proben. "Wie so oft war auch in diesem Drehbuch zuerst einfach zu viel Dialog. Es ist gar nicht nötig, den Satz ,Ich vergebe dir' auszusprechen. Das kann man auch mit einer leichten Berührung ausdrücken."

Dyrholm, die Vierte. Zur Vorbereitung traf Trine Dyrholm eine Frau, die ihre Tochter auf ähnliche Weise verloren hat wie ihr Charakter im Film. "Natürlich hasst sie diesen Mann. Aber sie ist auch von ihm fasziniert. Er ist der Mensch, der in den letzten Momenten ihrer Tochter bei ihr gewesen ist. Über diese Dinge habe ich mit dieser Frau gesprochen. Sie ist immerhin eine Mutter, der das wirklich passiert ist, ich war nur eine Schauspielerin."

Nach Ende der Dreharbeiten hat sich auch Dyrholms Leben entscheidend verändert. Sie ist nun Mutter eines 14 Monate alten Sohnes. Hat das ihre Sicht auf den Film verändert? "Ich nehme meine Rollen nicht mit nach Hause", stellt sie klar. "Die Fiktion ist manchmal reicher als das wahre Leben." Sie unterbricht sich. "Meine Güte, ist das kompliziert, ich muss mir das ja alles erst einmal übersetzen", flucht sie. "Ich habe mich entschlossen, Deutsch zu lernen. Nächstes Mal können wir uns einfacher unterhalten." Eine deutsche Agentur hat sie schon. Wie ihre männlichen Kollegen Mads Mikkelsen, Ulrich Thomsen und Jens Albinus setzt sie auf die internationalen Erfolge des dänischen Kinos und wartet auf Auslandsangebote. "Bisher ist es doch so", schimpft sie. "Die Jungs bekommen die guten Rollen und wir die Kinder." Dass sie den internationalen Vergleich nicht scheuen muss, bestätigte ihr der US-Kollege Alec Baldwin. Nachdem er "Troubled Water" gesehen hatte, sagte er, Dyrholm sei "die beste Schauspielerin, die ich je erlebt habe". Trine Dyrholm lacht das Kompliment weg. "Gott sei Dank war ich nicht dabei, als er das gesagt hat."

Dyrholm, die Fünfte. "Troubled Water" ist der letzte Teil der Oslo-Trilogie von Erik Poppe. Wenn in diesen Tagen der Name der norwegischen Hauptstadt fällt, denken viele an den Eurovision Song Contest. Dyrholm nicht - mehr. Sie hat mit 14 Jahren an der dänischen Vorausscheidung für den Wettbewerb teilgenommen und immerhin den dritten Platz belegt. "Das war damals eine lustige Zeit", erinnert sie sich. "Ich habe mir das aber schon seit Jahren nicht mehr angesehen." Der Musik hat sie nicht abgeschworen. Mit Landsmann Steffen Brandt hat sie Songs von Bob Dylan eingespielt - auf Dänisch. Was gar nicht schlecht klingt, wie man auf YouTube nachhören kann. Beim Eurovision Song Contest hätten sie damit wohl keine Chance. Aber Dylan mit den Originalen, wenn das ein Trost für sie ist, sicher auch nicht.

"Troubled Water" startet am Donnerstag im 3001.

 

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