NDR
Bestechungsvorwurf: Verband fordert rasche Aufklärung
Die Aufarbeitung des Vorwurfs gegen einen NDR-Journalisten müsse lückenlos sein, erklärte der Deutsche Journalisten-Verband.
Die Staatsanwaltschaft Kiel ermittelt gegen einen Mitarbeiter des Norddeutschen Rundfunks (NDR).
Foto: NDR
Kiel. Nach den Bestechungsvorwürfen gegen einen NDR- Mitarbeiter hat der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) schnelle und lückenlose Aufklärung gefordert. Es müsse überprüft werden, ob der Redakteur tatsächlich einem Unternehmen, von dem er Bestechungsgelder erhalten haben soll, Sendezeiten im Fernsehen verschaffte, sagte die stellvertretende DJV-Landesvorsitzende Liliane Jolitz am Freitag in Kiel. „Nach dem Drehbuchskandal um die frühere NDR-Redakteurin Doris Heinze gibt es erneut einen Vorgang, der die Glaubwürdigkeit des NDR erschüttert und dem Journalismus schadet.“
Unterdessen prüft der NDR, ob und in welchem Umfang der Redakteur selbst und der Sender insgesamt über das betroffene Unternehmen berichtet hatten. „Nach derzeitigem Stand gibt es keine außergewöhnliche Häufung von Berichten über Damp“, erklärte NDR-Sprecherin Iris Bents am Freitagabend.
Die Kieler Staatsanwaltschaft ermittelt und hat bereits am Donnerstag das Büro und die Wohnung des Redakteurs durchsucht. Der ehemalige Vorstandschef der Klinik- und Tourismusgruppe Damp Holding, Carl Hermann Schleifer, wird verdächtigt, den NDR-Mitarbeiter bestochen zu haben
Am Firmenstandort in Damp hatte es am Donnerstag ebenfalls Durchsuchungen der Staatsanwaltschaft gegeben, wie eine Konzernsprecherin bestätigte. Anwalt Gerald Goecke sagte, sein Mandant habe „zu keinem Zeitpunkt einen unredlichen oder gar strafbaren Einfluss auf irgendeine journalistische Berichterstattung genommen“. Er betonte: „Die von der Staatsanwaltschaft abzuklärenden Vorwürfe treffen nicht zu.“
Die Staatsanwaltschaft ermittelt zudem gegen zwei weitere Beschuldigte aus dem Umfeld des Journalisten wegen Beihilfe zur Bestechlichkeit. „Die beiden sind keine NDR-Mitarbeiter“, betonte Oberstaatsanwalt Manfred Schulze-Ziffer am Freitag.
Der betroffene Redakteur wurde zunächst beurlaubt. Er weise alle Vorwürfe zurück, sagte seine Kieler Anwältin Annette Marberth- Kubicki. „Er ist wirklich schockiert.“ Weitere Angaben wollte die Juristin zunächst nicht machen, da sie noch keine Akteneinsicht habe.
„Der unter Verdacht stehende Mitarbeiter hatte weder hierarchische noch eine alleinige programmliche Verantwortung und war nicht programmprägend“, sagte NDR-Sprecherin Bents. Die redaktionelle Planung und Umsetzung der Berichterstattung erfolge im NDR durch ein mehrstufiges Planungs- und Controllingsystem, in das stets mehrere Mitarbeiter eingebunden seien. „Die redaktionellen Abläufe sollen somit eine missbräuchliche Einflussnahme eines einzelnen Mitarbeiters ausschließen.“
Im vergangenen Jahr hatte die Hamburger Staatsanwaltschaft gegen die damalige NDR-Fernsehspielchefin Doris J. Heinze wegen Betrugsverdachts ermittelt. Sie hatte in mehreren Fällen unter falschem Namen Drehbücher abgeliefert und dafür Honorare kassiert. Der NDR hatte Heinze fristlos gekündigt.





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