Jazz-Legende: Der Trompeter Freddie Hubbard starb im Alter von 70 Jahren in Los Angeles
Schneller, höher, Freddie
Er hat mit allen Jazz-Größen gespielt: Herbie Hancock, Art Blakey, Wayne Shorter. Und alle Trompeter nach ihm beeinflusst.
Foto: AP
Wenige Töne nur, dann war klar: Das konnte nur Freddie Hubbard sein. Seine Soli hatten Stil und Format, der Ton: muskulös und strahlend. Man wurde an die lakonische Größe eines Miles Davis ebenso erinnert wie an das rasiermesserscharf aufblitzende Temperament von Clifford Brown, an die Spielfreude von Louis Armstrong ebenso wie an Dizzy Gillespies Wahnwitz. Aber Freddie "The Hub" Hubbard war kein Epigone, der sich lange aus dem Schatten anderer spielen musste. Er war schon früh nicht weniger als vollendet und brillant. Vielleicht lag es auch daran, dass er sich eben nicht vom Schneller-höher-weiter-Fanatismus seiner Kollegen einengen ließ. "Wenn man seinen eigenen Stil entwickelt hat, will man damit lieber nichts mehr zu tun haben." Nachfolgende Generationen sahen das aus ihrer Bewunderer-Perspektive natürlich anders: "Er hat alle Trompeter nach ihm beeinflusst", gab Wynton Marsalis - bekanntlich kein Freund großzügiger Lorbeer-Verteilungen - einmal zu Protokoll, "wir alle haben ihm zugehört."
Video: Jazz-Legende Freddie Hubbard tot
Wo Hubbard war, war vorn in den 60ern. In Brooklyn lebte er eine Zeit lang mit Eric Dolphy; McCoy Tyner, Paul Chambers, Wynton Kelly, Sonny Rollins, John Coltrane - alles Nachbarn. Man traf sich, man schätzte sich. Die Wege zum Ruhm waren legendär kurz damals, wenn man frisch war und so talentiert.
Die erste Session beim legendären "Blue Note"-Label organisierte Miles Davis für den Neuling aus Indianapolis, der ab 1961 bei den Jazz Messengers, in Art Blakeys Kaderschmiede, seinen Feinschliff verpasst bekommen hatte. Damals wurde der gerade mal 23 Jahre junge Heißsporn vom "DownBeat"-Magazin erstmals zum Trompeter des Jahres gekürt.
Hubbard war zu seinen Glanzzeiten einer der Eifrigsten im Business, er spielte dutzendweise Platten unter eigenem Namen ein und tauchte auf Hunderten von Alben anderer Musiker auf. Hubbard produzierte unter anderem für und mit Herbie Hancock und Wayne Shorter Klassiker, als stünde er am Fließband, aber mit einer Leichtigkeit und Eleganz, die ihresgleichen lang suchen musste.
Doch Hubbard war nicht nur ein versierter Qualitätslieferant für den Mainstream, er ließ sich auch gern auf bahnbrechende Experimente ein. So sehr, dass er auf gleich drei epochalen Alben zu finden ist: 1960 gehörte er zur Besetzung von Ornette Colemans "Free Jazz"-Album, vier Jahre später war er auf Eric Dolphys "Out To Lunch", und 1965 buchte ihn John Coltrane für "Ascension", jenes Album, über das ein Kritiker schrieb, mit dieser Musik könne man im Winter Wohnungen heizen.
Mit dem Wechsel zu CTI Records im Jahre 1970 und später zu Columbia wechselte Hubbard auch in jene Stil-Regionen, in denen man für seine kommerziellen Erfolge regelmäßig von orthodoxeren Kritikern Kopfnüsse einhandelte oder gleich ganz ignoriert wurde. "Ich habe mich ausverkauft, und das war's nicht wert", grämte er sich damals. Der Grammy, den er 1972 für "First Light" erhielt, machte das Dilemma nur noch offensichtlicher. Es dauerte etliche Jahre, bis Hubbard das großzügig versilberte Vertrauen mit Beweisen seiner Größe reumütig wieder zurückholte. Doch dann, 1992, während einer Tournee, die ihn in einer Woche von den USA über Japan bis nach Finnland trieb, erlebte er den Albtraum jedes Trompeters: Nachdem er sich bei einem Gig im New Yorker "Blue Note" eine Blase gespielt hatte, die er nicht behandelte, platzte die geschundene Lippe wenig später. Hubbards Karriere lag jahrelang fast vollständig auf Eis, er und sein Ansatz brauchten Jahre, um sich von diesem Schock zu erholen und den Weg zurück auf die Bühnen zu finden. Auch während dieser erzwungenen Auszeit war Hubbard präsent, denn der poppige "US3"-Remix von Herbie Hancocks "Canteloupe Island" sorgte in den 1990ern dafür, dass auch jüngere Hörer sich fragten, wer eigentlich dieses funky Trompeten-Solo bei der Vorlage abgeliefert hatte. Die Antwort: Freddie "The Hub" Hubbard. Wer sonst.




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