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Kultur & Live

Kritik an Rockgruppe

Weißrussland erklärt Rammstein zum Staatsfeind

Die deutsche Rock-Band Rammstein wurde in Weißrussland zum Staatsfeind erklärt. Die Moralhüter sehen die Staatsordnung in Gefahr.

Till Lindemann ist Sänger der Rock-Band Rammstein.
Foto: picture alliance / united archiv/united archives

Minsk. Die deutsche Brachialrock-Band Rammstein ist von den obersten Moralhütern in Weißrussland zum Staatsfeind erklärt worden. Die Musiker würden „die weißrussische Staatsordnung zerstören“. Das teilte am Montag der von Präsident Alexander Lukaschenko unterstützte Gesellschaftliche Rat für Sittlichkeit mit Blick auf ein am 7. März in der Hauptstadt Minsk geplantes Konzert mit. Die Rammstein-Lieder seien Propaganda für „Gewalt, Masochismus, Homosexualität und andere Abartigkeiten“, die sich gegen weißrussische Werte richteten, hieß es. „Eine Erlaubnis für ein Rammstein-Konzert ist ein Fehler, der uns viel kosten kann.“

Der Vorsitzende der Moralkommission, der staatstreue Schriftsteller Nikolai Tscherginez, erinnerte daran, dass Rammstein- Mitglieder Ende der 1990er Jahre „wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses“ in den USA festgenommen worden seien. Dies sei „ein gutes Beispiel, wie man diese Band behandeln muss“, sagte Tscherginez. Das autoritär regierte Weißrussland ist eine ehemalige Sowjetrepublik. Bürgerrechtler nennen Präsident Lukaschenko den „letzten Diktator Europas“.

Der örtliche Veranstalter in Minsk zeigte sich überrascht von der heftigen Reaktion. „Uns liegt keine offizielle Beschwerde vor“, sagte ein Sprecher des Konzertbüros nach Angaben der Agentur Interfax. Bei Einwänden sei man zu Gesprächen bereit. „Alles wird davon abhängen, welche Vorschläge man uns macht.“ Die Vorwürfe seien aber überzogen, sagte der Sprecher. „Die Gruppe propagiert keinen Nazismus und ruft auch nicht zum Totschlag auf.“ In der Vergangenheit waren deutsche Bands wie die Scorpions (“Wind Of Change“) oder Scooter (“Jumping All Over The World“) problemlos in Minsk aufgetreten.

Kommissionschef Tscherginez bedauerte, dass für das geplante Konzert in der Minsk-Arena schon Karten verkauft seien. Wenn die Gruppe auftreten wolle, müsse das Programm genau abgestimmt werden, um „Extremismus“ zu verhindern. Die „Würde“ des Ortes dürfe nicht beschmutzt werden, forderte Tscherginez. „Man hat uns Bilder eines Rammstein-Konzerts gezeigt. Was wir gesehen haben, passt in keinen Rahmen.“ Auch gegen die Texte erhebe man Einwände. „In einem Lied, dessen Übersetzung ich auf meinem Tisch liegen habe, geht es um die Größe der Geschlechtsorgane“, meinte der Autor entrüstet.

Die weißrussischen Behörden hatten unlängst auch die Kontrolle über das Internet verschärft und damit nach Meinung von Menschenrechtlern eine Zensur eingeführt. Auch die 2009 gegründete Moralkommission steht in der Kritik, die Meinungsfreiheit zu unterdrücken. Beobachter vermuten, dass die Behörden ihr Vorgehen gegen Andersdenkende verschärfen, weil Lukaschenko in einem Jahr erneut zur Präsidentenwahl antritt. Jüngst trat in Weißrussland auch ein Gesetz in Kraft, dass das Biertrinken auf der Straße verbietet.

Rammstein gehört seit Jahren zu den erfolgreichsten deutschen Musikgruppen. Die Live-Shows der vor 16 Jahren von sechs Musikern aus Berlin und Schwerin gegründeten Formation gelten als spektakulär und aufwendig. Auf der aktuellen Tour stehen die Songs ihres im Herbst 2009 erschienenen Albums „Liebe ist für alle da“ im Mittelpunkt. (dpa)

 

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