"Casa de los babys"
Sehnsüchte und Schicksale im "Babyhaus"
In einem Motel in Mexiko warten Frauen darauf, Kinder adoptieren zu können. Ein bewegender Film über ein moralisch komplexes Thema.
"Casa de los babys" behandelt das schwierige Thema Adoption.
Foto: peripher
Es beginnt mit Aufnahmen knuddeliger Wonneproppen, die durch die Gitter ihrer Bettchen lugen oder einfach schlafen, während sich eine alte Kinderfrau und eine junge Nonne um sie kümmern.
„Babyhaus“ heißt der Filmtitel auf deutsch, wir befinden uns in Mexiko (auch wenn es nicht gesagt wird), und in einem nahegelegenen Motel warten fünf US-Amerikanerinnen und eine Irin darauf, eines der kleinen Kinder adoptieren zu dürfen. Das kann dauern, Wochen, manchmal Monate. So vertreiben sich die Frauen die Zeit mit Einkaufen, am Strand legen, Margaritas trinken, essen gehen, tratschen. Wir lernen sie allmählich kennen, durch das was sie sagen, durch das was sie tun.
Nan (Marcia Gay Harden) zum Beispiel ist eine arrogante Zicke, die die ganze Zeit nur meckert und ihren eigenen Vorteil sucht. Skipper (Daryl Hannah) hingegen joggt wie eine Verrückte am Strand lang, als wolle sie durch körperliche Betätigung ein Defizit kompensieren. Jede Frau hat ihre eigene Geschichte, doch Independent-Regisseur John Sayles („City of Hope“), der auch das Drehbuch schrieb, hat nicht nur sie im Blick.
Da ist die unzufriedene Hotelbesitzerin, die die Frauen verachtet, aber von ihnen lebt, ihr Bruder, der als Anwalt die Adoptionen verschleppt, ein Straßenjunge, der sich mit Diebstählen über Wasser hält, ein schwangeres Mädchen, das sein Ungeborenes zur Adoption freigeben soll, eine Putzfrau des Hotels, die ihr Kind bereits weggeben hat.
Die Vielfalt der Figuren verdeutlicht, dass es zur Adoption und besonders zum Adoptions-Business zwischen reichen und armen Ländern keine einfache Antworten gibt. Das Problem ist komplex, und so schaut Sayles wie ein Dokumentarist den Frauen zu und lässt uns mit feinfühliger Zurückhaltung an ihren Hoffnungen und Ängsten teilhaben. Beeindruckendste Szene: Wie sich Eileen, die Irin, und Asuncion, die Putzfrau, mit leiser, bedächtiger Stimme ihr Schicksal erzählen, obwohl sie nicht die Sprache des anderen sprechen.
Urteil: sehenswert
Casa de los babys USA/Mexiko 2003, 95 Min., ab 12 Jahren, R: John Sayles, D: Daryl Hannah, Lili Taylor, Marcia Gay Harden, Mary Steenburgen, Maggie Gyllenhaal, Susan Lynch, täglich im 3001 (OmU); Internet: www.peripherfilm.de/casadelosbabys





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