Abendblatt-Bibliothek, Band 18: Gunter Gerlach
Karaseks Kritik
Eigentlich ist Jakob Vogelwart, der Held in Gunter Gerlachs Krimi "Ich lebe noch, es geht mir gut", im Hauptberuf ein wenig erfolgreicher Schriftsteller und muss deshalb im Nebenberuf erfolgreicher Einbrecher sein. Dass er möglichst unauffällig ins Schanzenviertel zieht, hat daher seine Gründe.
Die "Schanze" ist (laut Grünen-Wahlplakat) auf dem Weg "zwischen Drogensumpf und Yuppiekiez", ein Viertel, in dem Bettler, Fixer, Drogendealer, Plattenhändler und Huren leben. Unter anderem.
Dass der Bruch machende Held Vogelwart heißt, deutet auf seine Wohnperspektive. Wie James Stewart in Hitchcocks "Fenster zum Hof" sieht er von oben, was hier läuft: wie Geldbündel verschwinden, Kränze mit Totenschleifen arrangiert werden, wo Leichen auftauchen. Vogelwart stört das nicht, auch wenn ihn eine junge Frau zu Beginn bittet, ihre verschwundene kleine Schwester zu finden.
Weil er diese Frau küssen will, zeigt er Interesse. Bei einer Leiche findet er einen Wohnungsschlüssel, im dazugehörigen Apartment ein Protokoll über sich selbst. Soll er deshalb zur Polizei gehen? Das denn doch nicht! Also lässt er sich von seiner gewitzten Einsicht, seiner zynischen Beobachtungsgabe und vom Zufall leiten.
Ihm bei der Suche zu folgen macht Spaß - obwohl es sich um Erpressung, Entführung, ja, und um Mord handelt. Und Vogelwart gern mit einem Mörder gemütlich frühstückt.




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