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Kultur & Live

Der "Zeit"-Herausgeber wechselt zu "Cicero"

Die letzte große Herausforderung

Mit 68 Jahren wird Michael Naumann "Cicero"-Chefredakteur. Bei der "Zeit" ist man bedrückt und überrascht.

Hamburg. Es gibt Personalien, die erschließen sich nicht sofort. Der Wechsel von "Zeit"-Herausgeber Michael Naumann in die Chefredaktion der Berliner Monatszeitschrift "Cicero" ist eine solche Personalie.

Zu behaupten, Naumann würde sich mit dem Umzug an die Spree beruflich verbessern, wäre vermessen. Die "Zeit" ist mit einer verkauften Auflage von 491 000 Exemplaren die größte deutsche Wochenzeitung. Ihr Einfluss ist nicht zu unterschätzen. Von "Cicero" werden 81 000 Exemplare verkauft. Das ist für ein erst 2004 gegründetes Debattenmagazin sehr respektabel, mehr aber auch nicht.

Nun muss einer wie Naumann sich wirklich nichts mehr beweisen: Er war Herausgeber des "Kursbuchs", stand zehn Jahre an der Spitze des Rowohlt Verlags, gehörte dem ersten Kabinett Gerhard Schröders als Kulturstaatsminister an und kandidierte 2008 als SPD-Spitzenkandidat für das Amt des Hamburger Bürgermeisters. Andererseits ist der Publizist schon 68 Jahre alt. Möchte er in diesem Alter wirklich noch einmal ins Geschirr einer Chefredaktion?

Offenbar steht ihm genau danach der Sinn. Der Job bei "Cicero" sei seine "letzte große journalistische Herausforderung", sagte er am Freitag in der Redaktionskonferenz der "Zeit", als er seinen Abschied bekannt gab. Länger als zehn Jahre sei er nirgendwo geblieben. Diese Spanne ist nun fast um. Naumann kam 2001 zur "Zeit", damals noch als Chefredakteur und Herausgeber.

Als der Noch-Herausgeber endete, habe Stille geherrscht, sagen Redaktionsmitglieder. Die meisten Redakteure seien überrascht und bedrückt gewesen. Bei der "Zeit" wissen sie, was sie Naumann zu verdanken haben. Als er zu der Wochenzeitung kam, stand sie bei Weitem nicht so gut da wie heute. Naumann und Josef Joffe, ehemals Außenpolitik-Chef der "Süddeutschen Zeitung", die bei der "Zeit" gemeinsam als Chefredakteure und Herausgeber wirkten, brachten dem Blatt den Aufschwung.

Kurios daran ist, dass die beiden eigentlich nie gut miteinander konnten. Vielleicht erleichtert dies Naumann den Wechsel zu "Cicero". Auch der Umstand, dass er die Hauptstadt mag, seine Wohnung in Berlin-Charlottenburg nie aufgab, könnte den Abschied von der "Zeit" befördert haben.

Ausschlaggebend war aber vermutlich weder das eine noch das andere. Mitarbeiter Naumanns berichten von dessen Unruhe, von seinem Wunsch, es sich noch einmal beweisen zu wollen.

Mit seinem Tatendrang dürfte der "Zeit"-Herausgeber "Cicero" ordentlich aufmischen. Der Gründer und bisherige Chefredakteur des Blattes, Wolfram Weimer, der zum "Focus" wechselt, hat es als eher konservatives Magazin positioniert. Dass es dabei bleibt, wenn ab 1. Februar der Sozialdemokrat Naumann die Geschicke bestimmt, ist unwahrscheinlich.

Ob sein Posten bei der "Zeit" neu besetzt wird, ist offen. Dagegen spricht, dass die Wochenzeitung in der Vergangenheit meist zwei Herausgeber hatte. Mit Joffe und Helmut Schmidt als Herausgeber könnte das Blatt nach Naumanns Abschied an diese Tradition anknüpfen.

 

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