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Kultur & Live

66 Kulturschaffende protestierten

Kultursenatorin Karin von Welck begrüßt Debatte über Kulturetat

Die Senatorin reagiert auf den Protest im "Hamburger Abendblatt" und versichert, dass es in dem Senat eine hohe Wertschätzung für die Kultur gibt.

Im Interview mit dem Hamburger Abendblatt sagt Kultursenatorin Karin von Welck zum Engagement der Kulturleute: „Ich habe die Kulturschaffenden in dieser Stadt schon immer als sehr selbstbewusst erlebt. Allerdings verlässt die sonst eher intern geführte Debatte momentan die gewohnten Zirkel. Das begrüße ich.“
Foto: Bertold Fabricius

Hamburg. Im Ringen des Senats um die Verteilung der Kürzungspakete in der aktuellen Sparrunde zum Haushalt 2010 äußert sich jetzt Kultursenatorin Karin von Welck zum Appell der Hamburger Künstler, Bürger und Kulturschaffenden. Sie hatten im "Hamburger Abendblatt" vom Montag heftig vor Einsparungen bei der Kultur gewarnt. Karin von Welck setzt die Hoffnung darauf, dass nicht „nach dem Rasenmäherprinzip“ gespart wird – also gleichmäßig bei allen Ressorts. Das heißt aber auch: Endgültig beschlossen ist noch nichts. Und sie bewertet es positiv, dass um den Wert von Kultur jetzt in größeren Kreisen der Stadt diskutiert wird als bisher.

ANSICHTSSACHE: Kulturetat kürzen? Das wäre eine Katastrophe!

Im Interview mit dem Hamburger Abendblatt (Ausgabe vom Dienstag) sagt die Kultursenatorin zum Engagement der Kulturleute: „Ich habe die Kulturschaffenden in dieser Stadt schon immer als sehr selbstbewusst erlebt. Allerdings verlässt die sonst eher intern geführte Debatte momentan die gewohnten Zirkel. Das begrüße ich.“

Karin von Welck vertraut darauf, dass nicht „nach dem Rasenmäherprinzip“ in allen Bereichen gleichmäßig gespart wird und zieht daraus Hoffnung für die Kultur. Und sie sieht im Senat Wohlwollen für ihren Bereich: „Ich kann versichern, dass das politische Wollen und die Wertschätzung von Kultur in diesem Senat deutlich ausgeprägt sind. Dafür steht nicht zuletzt der Anstieg des Kulturhaushalts um sieben Prozent im laufenden Doppelhaushalt. Insofern gibt es keine neue Bewertung. Neu ist vielmehr die Dimension der auf uns zukommenden Einnahmeausfälle. Immerhin muss Hamburg bis 2013 eine Nettokreditaufnahme von etwa 6 Milliarden Euro verkraften.“

Mit einem in Deutschland bislang einmaligen Protest hatten sich 66 Hamburger Künstler und Kulturschaffende gegen vom Senat der Hansestadt geplante Kürzungen im Kulturetat gewehrt. Auf einer Doppelseite in der Montagausgabe des "Hamburger Abendblatt" machten Intendanten, Museumsdirektoren, Schauspieler, Künstler, Musiker, Mäzene, Film- und Fernsehleute, Schriftsteller und Kulturmanager sowie Veranstalter mit persönlichen Statements Front gegen die Sparpläne des schwarz-grünen Senats, die den Kulturetat 2010 um mehr als zehn Millionen Euro ausdünnen könnten. Im laufenden Jahr gibt die Stadt noch 211 Millionen Euro für Kultur aus.

Unter denen, die sich vehement gegen Kürzungen wenden, sind auch die beiden Hamburger Ehrenbürger Siegfried Lenz und Ballett-Intendant John Neumeier, NDR-Chefdirigent Christoph von Dohnányi, Autor Rocko Schamoni, Schriftsteller und Liedermacher Wolf Biermann, die Intendanten der drei Hamburger Staatstheater und die TV-Moderatoren Johannes B. Kerner und Reinhold Beckmann. Es ist ein Aufschrei der Kulturszene - die Kritiker schreiben von ihrer Sorge um die Attraktivität des Standorts Hamburg (Ex-Finanzminister Manfred Lahnstein) und warnen, dass die Kürzung kontraproduktiv sei bei der Anwerbung privater Mittel (Reeder und Kulturförderer Hermann Ebel). Der Schriftsteller Siegfried Lenz nennt die Sparpläne "politisch fahrlässig". Der Präsident der Hamburger Musikhochschule, Elmar Lampson, fordert: "Hier muss investiert, nicht gekürzt werden."

Jürgen Flimm, der Intendant der Salzburger Festspiele, verweist auf den Wirtschaftsfaktor Kultur - jeder dafür ausgegebene Euro bringe 1,6 Euro in den Wirtschaftskreislauf zurück - und fragt: "Also kürzt der Senat seine Einnahmen - ist das weise?" Der Intendant des Thalia-Theaters, Joachim Lux, warnt vor einem "katastrophalen, politisch kaum vertretbaren Gesamtbild", Reinhold Beckmann spricht von einem "Schildbürgerstreich". Der Hamburger Senat will an diesem Dienstag die Höhe der voraussichtlichen Steuerausfälle für das kommende Jahr bekannt geben und Ende November konkrete Sparmaßnahmen für alle Ressorts beschließen.

 

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