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Kultur & Live

Klassikmagazin trotzt der Krise

"concerti": Vom Glück in der Nische

Gregor Burgenmeister gründete das Magazin 2006, ist jetzt nach Berlin expandiert und plant nun ein bundesweites Veranstaltungsportal.

Der Hamburger "concerti"-Verleger Gregor Burgenmeister.
Foto: Roland Magunia

Hamburg. Schöne Nachrichten sind das nicht: 2009 werden die deutschen Zeitschriftenverlage einen Umsatzrückgang von 9,4 Prozent verzeichnen. Das gab der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger am Mittwoch bekannt. Doch offenbar trifft die Misere nicht die gesamte Branche. Spricht man etwa den jungen Verleger Gregor Burgenmeister darauf an, sagt er: "Die Printkrise spüren wir überhaupt nicht."

Der 31-Jährige ist der lebende Beweis, dass es jenseits der Großverlage für das Medium Zeitschrift womöglich doch eine vielversprechende Zukunft gibt: 2006 hat Burgenmeister "Concerti" als Hamburger Veranstaltungsmagazin für klassische Musik gegründet. Erst vor ein paar Wochen ist er mit seinem Blatt nach Berlin expandiert. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit schrieb für die erste Ausgabe ein Grußwort. Und die Expansion soll weitergehen. Noch in diesem Jahr will Burgenmeister ein bundesweites Veranstaltungsportal ins Internet stellen. Für 2010 sind Print-Ausgaben in weiteren Städten geplant.

Natürlich bedient das Blatt eine Nische. Aber der Erfolg von "Concerti" zeigt auch, dass es bei der Gründung eines Magazins vielleicht doch sinnvoller ist, auf den eigenen Bauch zu hören als auf Anzeigenkunden und attraktive Zielgruppen zu schielen. Fragt man Burgenmeister, wie er auf die Idee für sein Blatt kam, sagt er: "Das war Eigenbedarf. Mir hat so ein Heft gefehlt."

Der Verleger spielt Klavier und hatte als Kind auch an Musikwettbewerben teilgenommen. Später zog es ihn zum Film. Er arbeitete als Regieassistent und Aufnahmeleiter. Zudem studierte Burgenmeister Philosophie und Medienwissenschaft.

Das Studium hat er wegen der Gründung von "Concerti" geschmissen. Die Startphase packte er nur dank "Selbstausbeutung und einer Förderung durch die Oscar-und-Vera-Ritter-Stiftung". Ein Freund, der mitmachen wollte, sprang ab. Dafür ist seit 2007 der Konzertveranstalter Pascal Funke als 50-Prozent-Gesellschafter an Bord. "Was ins Blatt kommt, bestimme aber ich", sagt Burgenmeister. "Funke hat sich nie eingemischt."

Heute hat "Concerti" zehn fest angestellte und zwei Dutzend freie Mitarbeiter. Die Auflage in Hamburg liegt bei 25 000 Exemplaren. Es gibt 1500 Abonnenten. Die meisten Exemplare des elfmal im Jahr erscheinenden Blatts werden aber verteilt. Dass es ein Gratistitel ist, sieht man ihm nicht an. Mit seinen Interviews, Porträts und Plattenkritiken ist es längst mehr als ein Veranstaltungsmagazin.

Zum Start der Berlin-Ausgabe sprach Daniel Barenboim mit "Concerti". In der Hauptstadt erscheinen 50 000 Exemplare. Das könnte dennoch zu wenig sein. "Kürzlich erhielt ich einen Anruf von einem unserer Verteiler, der 10 000 Exemplare nachbestellen wollte", sagt Burgenmeister. "Ich konnte ihm leider nicht helfen."

 

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