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Kultur & Live

Hansa-Theater: Grandiose Show mit Top-Artisten

Biegsam, bezaubernd, urkomisch, verblüffend

Mit einer rauschenden Premiere begann die Saison des auf Initiative von Hamburger Abendblatt und St.-Pauli-Theater wieder geöffneten Varietés.

Katzengeschmeidig im Leoparden-Body: Die französische Trapez-Artistin Aurelie Cats macht ihrem Namen alle Ehre.
Foto: www.malzkornfoto.de

Hamburg. Ein Würfel in einem Würfel. Darin gefangen: die grazile Equilibristin Alona Zhuravel. Im magisch blauen Licht befreit sich die ukrainische Artistin, turnt behende von Stange zu Stange, versetzt ihr geometrisches Klettergerüst auf der Bühne des Hansa-Theaters geheimnisvoll in Rotation. Plötzlicher Stopp, atemlose Stille. Hoch oben auf der Kubus-Spitze hält sich die Artistin, nur auf einer Hand balancierend, im Gleichgewicht. Langsam kippt der Körper in eine Schräglage, dass man glaubt, ihre Rückenwirbel knirschen zu hören. Doch die scheinbar knochenlose Dame blickt gelassen am Knie des über ihren Kopf gebogenen Beins vorbei ins Publikum. Ein erster sensationeller Höhepunkt in der neuen Varieté-Revue, die das St.-Pauli-Theater in Kooperation mit dem Frankfurter Tigerpalast bis Ende Februar präsentiert.

Verführerisch katzenbiegsam ist auch die französische Trapezartistin Aurelia Cats, die mit halsbrecherischen Figuren verblüfft und ihrem Namen alle Ehre macht.

Für Komik in der Show müssen die Herren herhalten. Unbeschwerte Heiterkeit bietet der marionettengleich gelenkige Rad-Artist Serge Huercio aus Avignon: Mit kindlich unwissender Entdeckerlust erprobt er das Fahren auf dem Drahtesel in allerlei möglichen und unmöglichen Stellungen. Jede der folgenden Nummern besticht durch ihre eigene Klasse und entfaltet einen besonderen Reiz.

Der von Abend zu Abend wechselnde Gastmoderator führt durch die Show. Kabarettist Horst Schroth machte den Anfang. Im violetten Jackett auf Varieté eingestellt, erzählt er mal wieder von Hosenkauf, Neidfaktor und "rödelnden Hausfrauen" , versetzte jedoch mit seinen charmant und pointiert gebotenen "Umbaupausenfüllern" das Publikum in Hochstimmung. Ohnehin sind für die Überraschungen des Abends die Akrobaten und Special Guests zuständig.

Chansonnier Tim Fischer servierte mit sarkastischer Grandezza Friedrich Hollaenders sadistisches "Stroganoff"-Couplet, Musical-Schwergewicht Bridget Fogle begeisterte als stimmstarke Vokalartistin, und Comedian Olli Dietrich amüsierte mit den haarsträubend absurden Wortspielereien seiner "Sport-Nachrichten".

Jeder Abend bis Ende Februar bietet Besonderheiten. Die Kabarettisten Georg Schramm, Heinrich Pachl und Arnulf Rating haben sich angesagt. Aber auch Marlene Jaschke, Herr Holm, Gustav Peter Wöhler, die "Frauenversteher" Roger Willemsen und Ulrich Tukur.

Zur Premiere hatten Ulrich Waller und Thomas Collien, die Intendanten des St.-Pauli-Theaters, das Magier-Duo Siegfried und Roy eingeladen. Vor 45 Jahren standen sie auf der Bühne des Hansa-Theaters, saßen nun in der sechsten Reihe, Mitte, wie in einem alten Traum. Siegfried Fischbacher zitierte eine Strophe aus dem Rückert-Gedicht "Aus der Jugendzeit", erinnerte sich an seine Anfänge: "O du Heimatflur, o du Heimatflur/ lass zu deinem heil'gen Raum/ mich noch einmal nur, mich noch einmal nur/ Entflieh'n im Traum!" Leise fügte er dann hinzu: "Uns ist der Traum jetzt in Erfüllung gegangen."

Aber rasch war alle Wehmut verflogen, als der grandiose ulkige Bauchredner Georges Schlick aus einer Serviette ein Häschen formte und zum Sprechen brachte. Wie das rasante Rollschuh-Trio The Giurintanos holte er sich Verstärkung aus dem Publikum. Roys persönliche Assistentin Erica Wesley landete auf der Bühne und lachte bald Tränen. Mit ihr das jubelnde Publikum, dem dann zum Abschluss der elegante Jongleur Victor Kee mit seinem unglaublichem Fingerspitzengefühl für sieben Bälle den Atem nahm.

Das neue Programm mit den internationalen Weltklasse-Künstlern ließ keinen Zweifel mehr an Ulrich Wallers Begrüßungsworten zu: "Mit 99 Prozent Besuchsauslastung im vergangenen Jahr haben die Bürger klar abgestimmt: Hamburg braucht sein Hansa."

Varieté bis 28.2.2010, Hansa-Theater, Karten bei allen Hamburger-Abendblatt-Ticket-Shops und unter Ticket-Hotline: 040-30 30 98 98

 

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