Dienstag, 14. Februar 2012, 06:33

Abendblatt als Startseite | Aboservice | E-Paper

www.abendblatt.de

  • E-Mail
  • Singles
  • Branchenbuch
  • Jobs Hamburg
  • Immobilien Hamburg
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Rechner
  • Ticket kaufen

Kultur & Live

Bud Spencer feiert 80. Geburtstag

Doktor Pedersoli - ein Diplom in Doppelbackpfeifen

Er hatte so viele Berufe, dass er als modernes Universalgenie durchgehen könnte: Carlo Pedersoli alias Bud Spencer wird am 31. Oktober 80.

Feiert am 31. Oktober seinen 80. Geburtstag: Der italienische Schauspieler Bud Spencer (r) - hier mit seinem Kollegen Terence Hill (l) - in dem erfolgreichen Italo-Western-Klamauk "Vier Fäuste für ein Halleluja" (1971).
Foto: dpa/DPA

Carlo Pedersoli, der am 31. Oktober 80 Jahre alt wird, hat einen Doktor in Jura. Er war sieben Mal italienischer Meister im Freistilschwimmen und nahm 1957 an den Olympischen Spielen in Helsinki teil. Er komponierte Schlager, erfand eine Einwegzahnbürste mit integrierter Zahnpasta, einen Spazierstock mit eingebautem Stuhl, und gründete eine Fluggesellschaft. Doch zur Legende wurde dieser wiedergeborene Renaissancemensch als raubauziger europäischer Westernheld „Bud Spencer“.

Als bärtiger Riesencowboy, der circa 50 Wörter beherrscht, aber Meister im Verteilen von Doppelbackpfeifen ist, stieg der Hüne zur Kultfigur kleiner Jungs auf, die seine Kopfnüsse auf dem Schulhof nachmachten. Kollege und Mädchenschwarm Terence Hill alias Mario Girotti dagegen war mit seinen azurblauen Augen ein Fall für Bravo-Starschnitte.

Das Duo mischte mit sogenannten Spaghetti-Western à la „4 Fäuste für ein Halleluja“ gründlich die Filmgeschichte auf. Anfangs entsetzten sich US-Filmkritiker noch über den respektlosen Haudrauf-Klamauk aus der römischen Cinecittà, in dem ehrwürdige Westerntugenden parodistisch auf die Spitze getrieben wurden.

Und wie um die Amerikaner noch mehr zu foppen, nannte sich Urviech Bud nach seinem Lieblingsbier Budweiser, das für die Entstehung seines beeindruckenden Schoppenfriedhofs verantwortlich ist, und Spencer nach dem von ihm verehrten Spencer Tracy.

Doch Italo-Western waren in den 70ern populärer als James Bond und haben eine riesige Fangemeinde, zu denen längst kunstsinnige Cinephile zählen. Bis heute ist Signore Pedersoli stolz darauf, dass nie Blut spritzte, wenn Bud Spencer seinen Gegnern auf die Glocke schlug: „Auch Kinder können darüber herzhaft lachen, ich habe ihnen nie Angst gemacht.“

Tatsächlich nahm der Italo-Obelix und Sohn eines neapolitanischen Unternehmers das Filmgeschäft nie besonders ernst. Signore Pedersoli war einst ein linker Früh-Hippie und stromerte à la Che Guevara jahrelang durch Südamerika. Zufällig stolperte das Multitalent durch die Heirat mit einer Filmproduzenten-Tochter 1967 in die italienische Filmbranche, seine erste Rolle hatte er in „Gott vergibt, Django nie“.

Als es mit Western nicht mehr so gut lief, trieb der Dr. jur. als „Kommissar Plattfuß“ seine Scherze. Im deutschen Kino war er zuletzt Anfang 2009 mit Italo-Urgestein Franco Nero in der Komödie „Mord ist mein Geschäft, Liebling“ zu sehen.

„Ein Schauspieler hat viele Persönlichkeiten. Ich habe nur eine. Und die kann niemand besser spielen als ich. Ich mache seit 30 Jahren das gleiche“, behauptet der Chaplin-Fan, aber das stimmt nicht ganz.

Neben seinen 104 Filmen erwarb der Tüftler zwölf Patente, machte den Pilotenschein, und betätigte sich zum Beispiel in seinem Film „Sie nannten ihn Mücke“ wieder als Komponist. 2005 kandidierte der umtriebige Dicke unter seinem bürgerlichen Namen für Berlusconis Partei „Forza Italia“. Er hat drei Kinder, fünf Enkel, wiegt über zwei Zentner, raucht und isst mit Leidenschaft, „lieber Linguine als Spaghetti“. Hoffentlich geht er noch lange nicht k.o.

 

Artikel versenden

Bitte füllen Sie alle mit * gekennzeichneten Felder aus