Homosexualität im Fußball Stück über schwule Fußballer geht auf Tour zu Vereinen

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Der Hamburger Autor Christopher Weiss hat das Ein-Personen-Stück "Steh deinen Mann" geschrieben und dafür auch mit Amateurkickern und Fans gesprochen. Der DFB unterstützt das Projekt.

Göttingen/Berlin. Schon vor dem Outing von Ex-Nationalspieler Thomas Hitzlsperger hat eine Göttinger Theatergruppe ein Stück über Homosexualität im Fußball entwickelt. Die Premiere von "Steh deinen Mann" ist für den 16.April in einer Umkleidekabine des Jahnstadions der Universitätsstadt geplant. Anschließend wird das "boat people projekt" mit dem Monolog auf Tournee zu Sportvereinen in ganz Niedersachsen gehen. "Wir wollen dort spielen, wo wir die Homophobie vermuten", sagte Regisseur Reimar de la Chevallerie. Das Projekt wird unter anderem vom Deutschen Fußball-Bund unterstützt. Angesprochen werden sollen Jugendliche ab 14 Jahren sowie Erwachsene.

Der Hamburger Autor Christopher Weiss hat das Ein-Personen-Stück geschrieben. Im Zentrum steht ein heterosexueller Fußballer, der sich damit beschäftigt, wer in seiner Mannschaft schwul sein könnte. Die Recherchen bei Amateurfußballern, Fans und auf der Straße hätten ergeben, dass keiner der Befragten ein Problem mit schwulen Fußballern habe, berichtete de la Chevallerie. "Das war vor und nach dem Outing von Hitzelsperger so." Dennoch gebe es tief sitzende Ängste – anders sei es nicht zu erklären, dass kein aktiver homosexueller Profi-Fußballer bekannt sei.

Die ersten fünf Vorstellungen in Göttingen sollen in den freien Verkauf gehen. In die Kabinen der Vereine im Land kommt die Theatergruppe anschließend kostenlos. Die Gruppe will sich mit dem Stück auch bei Festivals bewerben.

Unterdessen hat Berlinale-Leiter Dieter Kosslick, 65, für sein Filmfest einen kleinen Protest gegen die Anti-Homosexuellen-Gesetze im Olympia-Land Russland geplant. Er wolle den "Hitzlsperger-Moment nutzen und während der Olympischen Winterspiele in Sotschi von Putin einen sehr schönen schwulen Liebesfilm zeigen", sagte er der "Berliner Morgenpost" (Sonntag). "Vielleicht lade ich dazu sogar Herrn Hitzlsperger ein. Er auf dem roten Teppich, das wäre eine gute Idee." In der Filmbranche werde die Diskussion über Homosexualität schon seit 30 Jahren geführt, sagte Kosslick. "Wir wissen nicht erst seit gestern, dass Männer Männer lieben." Die Berlinale verleihe mit dem Teddy nach wie vor den wichtigsten schwulen Filmpreis der Welt.