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Kultur & Live

"Die Päpstin": Sönke Wortmanns Film startet

Die Stellvertreterin Christi - in kraftvollen Bildern fürs Kino inszeniert

Mit "Die Päpstin" schafft es nun ein historisches Gerücht auf die Leinwand. Ein großer Erfolg für Regisseur Sönke Wortmann.

Johanna Wokalek als "Die Päpstin".
Foto: AP

Berlin. Der Weg nach Rom war weit, ungewöhnlich weit: Acht Jahre ist es her, dass Constantin-Geschäftsführer Oliver Berben den Bestseller-Roman "Die Päpstin" von Donna Woolfolk Cross las und beschloss, ihn zu verfilmen.

Man zerstritt sich vor Drehbeginn mit Regisseur Volker Schlöndorff - so sehr, dass Sönke Wortmann das Projekt schließlich übernahm und Schlöndorff stattdessen die Zeit fand, seine Memoiren zu schreiben.

Wortmann hingegen standen bevor: zwei Jahre intensive Vorbereitungszeit inklusive Drehbuchschreiben, 60 Drehtage in Sachsen-Anhalt, der Eifel und Marokko, über 70 Sprechrollen und ein komplett englischsprachiger Dreh mit internationalen Stars wie John Goodman und David Wenham. Mit mehr als 400 Kopien startet der Film nun am Donnerstag in den Kinos, gestern feierte er seine Deutschlandpremiere in Berlin.

Die Arbeit hat sich gelohnt, "Die Päpstin" ist, um es gleich vorwegzunehmen, ein großer, aufwendiger Historienfilm mit kraftvollen Bildern, der Produktionen wie "Der Name der Rose" in nichts nachsteht.

Im Mittelpunkt steht die wissbegierige, willensstarke Johanna von Ingelheim, die es im 9. Jahrhundert bis auf den Papstthron geschafft haben soll - verkleidet als Mann. Mit Tonsur und Kutte. Diese Verwandlung, sagt Hauptdarstellerin Johanna Wokalek, die ihre Haare auf der Pressekonferenz gleichmäßig auf Kinnlänge trägt, war die große Herausforderung: eine Figur zu spielen, die fühlt wie eine Frau und sich bewegt wie ein Mann. Im grauen Minikleid, sehr zart, sehr anmutig, in der Hand ein kleines Täschchen, strahlt Wokalek so gar nichts Männliches aus - im Film dagegen gelingt ihr die Gratwanderung perfekt: Sie wirkt androgyn, ohne ihre Weiblichkeit aufzugeben. Täte sie es, wäre die Liebesgeschichte zwischen Johanna und ihrem Förderer, dem Grafen Gerold (David Wenham) nicht glaubwürdig.

"Zeiten des Sturms" nennt Wokalek diese Monate, in denen ein Projekt das nächste jagt, in denen der extremen Rolle der Terroristin Gudrun Ensslin ("Der Baader Meinhof Komplex") die ungewöhnliche und - zumindest äußerlich - aufopferungsvolle Rolle der Päpstin folgt. Im Film schafft sie es, die Zerrissenheit und den gleichzeitig unerschütterlichen Glauben, das Richtige zu tun, in einen einzigen Blick zu legen.

Hinter die Karriere von Johanna Wokalek setzt die Darstellung der Päpstin ein Fragezeichen: Was kann da noch kommen an Herausforderungen?

Für Regisseur Sönke Wortmann ist "Die Päpstin", mit Blick auf seine Filme, eher eine Art Ausrufezeichen. Ein Befreiungsschlag von der deutschen Beziehungskomödie ("Das Superweib") und dem siegestrunkenen Fußballfilm ("Das Wunder von Bern", "Deutschland. Ein Sommermärchen"). Nicht dass sie eine Last darstellten, dafür war der Regisseur bislang zu erfolgreich - aber mit der Päpstin scheint Wortmann zu sagen: Seht her, ich kann noch mehr.

"Meine Emanzipation" nennt er das und lacht nur ein kleines bisschen. Auf Festivals, erzählt er im Interview, befrage man ihn stets zum Fußball, nie zum Film. So wie man nun ständig von ihm wissen will, wie verbürgt die Geschichte seiner Päpstin ist. Das, sagt der Regisseur, interessiere ihn nicht. Wortmann bleibt dicht an der Buchvorlage, die sich allein in Deutschland fünf Millionen Mal verkauft hat. Allerdings konzentriert er sich stärker auf die Anfangsszenen, lässt sich Zeit zu zeigen, in welchen Verhältnissen Johanna aufwächst, was sie prägt. Schließlich besteht darin die Kernfrage des Films: Wer war "die Päpstin"?

Spätestens seit "Sakrileg" führen auch im Kino wieder alle Wege nach Rom. Dieser hier hat sich gelohnt.

 

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