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Kultur & Live

Senderchefs: Hauptversammlung in Hamburg

ARD uneins über die Affäre Doris Heinze

NDR-Intendant Lutz Marmor widerspricht dem Programmdirektor: "Die Affäre Heinze ist ein einzigartiger Fall."

Der Fall "Doris Heinze": Die damalige Fernsehfilmchefin des Norddeutschen Rundfunks hat dem NDR selbst geschriebene Doris J. Heinze Drehbücher unter einem Pseudonym verkauft und somit mehr Honorar bekommen, als wenn sie die Werke unter ihrem eigenen Namen angeboten hätte.
Foto: dpa

Hamburg. Wenn die Intendanten der ARD mit den Vorsitzenden ihrer Rundfunk- und Verwaltungsräte zur Hauptversammlung zusammenkommen, geht es natürlich auch um Doris Heinze, jene geschasste NDR-Fernsehspielchefin, die den Sender mit Drehbüchern betrog, die sie und ihr Mann unter Pseudonym schrieben. Dabei ist die Aufklärung des Falles noch gar nicht abgeschlossen.

Immerhin will der NDR die Affäre nun auch in einem Workshop aufarbeiten, zu dem auch externe Autoren und Kritiker eingeladen werden sollen. Zudem hat der Sender jetzt einen externen Ombudsmann, den er Vertrauensanwalt nennt. Es handelt sich um Bernd Roock, Partner der Hamburger Kanzlei CMS Hasche Sigle. Dem NDR war vorgeworfen worden, dass Autoren, die frühzeitig von Heinzes Phantomautoren wussten, keinen Ansprechpartner hatten, an den sie sich vertrauensvoll hätten wenden können.

Auf der Pressekonferenz, mit der die Hauptversammlung beendet wurde, zeigte sich zudem, dass die Affäre, die von der "Süddeutschen Zeitung" (SZ) aufgedeckt wurde, innerhalb der ARD offenbar unterschiedlich bewertet wird: "Auch die ,Süddeutsche Zeitung' hatte schon Kummer", sagte ARD-Programmdirektor Volker Herres: "Tom Kummer." Der Schweizer Journalist hatte das "SZ-Magazin" bis 2000 mit gefälschten Interviews beliefert.

Dagegen sagte NDR-Intendant Lutz Marmor: "Wir ziehen da keine Vergleiche. Die Affäre Heinze ist ein einzigartiger Fall." Es gab noch andere Themen: Die Verträge von "Tagesthemen"-Moderatorin Caren Miosga und Sportmoderator Reinhold Beckmann wurden bis 2013 verlängert. Für das kommende Jahr, dann wird die ARD 60 Jahre alt, ist ein Programmschwerpunkt zum Jubiläum geplant. Dabei sollen die Zuschauer entscheiden, welche Programmhöhepunkte aus sechs Jahrzehnten wiederholt werden.

 

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Zusammengelegt werden die Redaktionen von ARD-Akuell ("Tagesschau", "Tagesthemen") und "tagesschau.de"; dafür gebe es technische und ökonomische Gründe, sagte NDR-Intendant Marmor. Einen Personalabbau konnte er nicht ausschließen.


Beschlossen wurde auch ein Defizitausgleich für die Not leidenden kleinen ARD-Anstalten: Der NDR wird Radio Bremen und der SWR dem Saarländischen Rundfunk verstärkt unter die Arme greifen. Der NDR hilft den Bremern künftig etwa durch die Übernahme der Buchhaltung. Insgesamt wird den Sender die Hilfsaktion eine Million Euro pro Jahr kosten. Der SWR unterstützt den Saarländischen Rundfunk sogar mit 1,4 Millionen per annum. Weitere 2,2 Millionen Euro für die Kleinsender steuern alle ARD-Anstalten gemeinsam bei.


Verärgert ist man in der ARD über die Landesmedienanstalten. Diese hatten in Berlin zeitgleich zur ARD-Pressekonferenz einen "Leitfaden zur Vereinfachung des Drei-Stufen-Tests" vorgestellt, den neue digitale Angebote von ARD und ZDF durchlaufen müssen. Er beobachte "mit widerwilliger Faszination, wie sich die Landesmedienanstalten zu Akteuren auf einem Feld machen, für das sie keinen Auftrag haben", sagte der ARD-Vorsitzende Peter Boudgoust. Ihre Aufgabe sei die Kontrolle der Privatsender. Stattdessen würden sie nun "als Lobbyisten des Privatfunks" auftreten. Hier würden "öffentliche Gelder falsch verwendet". Die Landesmedienanstalten werden durch Rundfunkgebühren finanziert.

 

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